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Andreas P. Pittler: Der Sündenbock.

Roman.
Klagenfurt/Celovec: Wieser, 2000.
206 S., brosch., öS 144.-.
ISBN 3-85129-347-9.

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Er ist Mitte dreißig, hört auf den Namen Henry Drake und ermittelt undercover im Dienste Ihrer Majestät, der Königin von England. Ganz und gar nicht entspricht dieser Henry Drake allerdings dem äußeren Erscheinungsbild des klassischen 007. Er ist mehr als füllig, fällt in alles andere denn in die Kategorie "gutaussehend", und eine gewisse Tollpatschigkeit in so manchen Lebenslagen macht ihn nicht gerade zu dem, was wir uns gemeinhin unter einem charismatischen Meisterdetektiv bzw. Helden vorstellen. Während einer seiner Freunde und Auftraggeber Henry Drake nach dem thrilligen Showdown mit dem berühmten Belgier Hercule Poirot vergleicht, scheint sein Gemüt wohl eher dem stoischen Wachtmeister Studer Friedrich Glausers zu ähneln. In die Galerie der österreichischen Krimi-Detektive ordnet sich Henry Drake alias Heinrich Müller als ein durchaus gelungenes Pendant zu Zenkers Kottan, Haas' Brenner, Komareks Polt und vielen anderen der neueren "Schnüffler"-Generation ein.

Nun aber zum Plot dieses "Auslands"-Krimis: Drake, der seit Jahren in Österreich wohnt und in diesem geografischen Umfeld auch seinen letzten "spektakulären" Fall, den Fall Buresch, erfolgreich abgeschlossen hat, läßt sich - auf Heimaturlaub bei seiner Familie in Norfolk - von Haines, einem alten Bekannten aus dem Britischen Außenministerium, dazu überreden, als Heinrich Müller, Auslandskorrespondent der österreichischen Tageszeitung "Der Standard", die Wahrscheinlichkeit eines Attentats auf Prinz "Charlie" bei einem bevorstehenden geheimen Besuch in Belfast zu ermitteln und dieses zu verhindern.
Auch wenn "Old Müllerhand" (S. 147) bald erkennen muß, daß ihm das Belfaster Pflaster eine Spur zu heiß sein könnte, steckt er seine Spürnase doch tief in das unüberschaubare Chaos der politischen Organisationen auf beiden Seiten, deren Motive im Kampf um die Unabhängigkeit einerseits und Beibehaltung des Status quo der Machtverhältnisse andererseits er mit Hilfe seiner Journalisten-"Kollegin" Eileen O'Duffy durchleuchtet. Diese Eileen ist umwerfend in Gestalt und Intelligenz, Mut und Gerissenheit. Sie hat nur einen "Fehler", sie ist Lesbe, ebenso wie Drakes kontinentale Freundin Andrina, die ihm im Fall Buresch zur Seite gestanden hat. Eine unerwiderte Liebe ist hier wie dort Rahmenhandlung zu einem Plot, der durchaus spannende Momente aufweist.
Was diesen Krimi zur empfehlenswerten Freizeitlektüre werden läßt, ist der Umstand, daß Andreas P. Pittler es sehr gut versteht, durch lebensnahe Situationen, durch stellenweise drehbuchreife Dialoge und nicht zuletzt durch schwarzen Humor, eine dichte Atmosphäre zu schaffen, die den Leser fesselt. Es sei hier nicht verraten, wer tatsächlich hinter allem steckt und warum dieser Jemand Drake für die Rolle des "Sündenbocks" engagiert, nur soviel: "Das Verbrechen schläft nicht."

Claudia Holly
28. Mai 2001

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