Neues aus der Fried Gesellschaft
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ZUM TOD VON ANDREAS OKOPENKO
am 27. Juni 2010

Robert Huez, Leiter Literaturhaus Wien
Heinz Lunzer, Präsident Internationale Erich Fried-Gesellschaft. in einer gemeinsamen Aussendung:

Mit großer Trauer haben wir die Nachricht vom Ableben des Autors Andreas Okopenko vernommen.

Andreas Okopenko war erst am 10. April dieses Jahres anlässlich einer großen Feier zu seinem 80. Geburstag im Literaturhaus Wien zu Gast, bei der zahlreiche Autoren-Kolleginnen und Kollegen - wie Friederike Mayröcker und Herbert J. Wimmer - ihn ehrten. Okopenko war dem Literaturhaus auch als Präsidiums-Mitglied der Internationalen Erich Fried-Gesellschaft verbunden.

Andreas Okopenko war ein Autor, dessen Wirken, dessen Arbeit große Kreise gezogen haben, ein Autor, der die literarische Diskussion der letzten Jahrzehnte wesentlich mit beeinflusst hat. Sowohl mit seinen eigenen Werken als auch in seiner Funktion als Vermittler, z.B. über die Zeitschrift "Neue Wege", war er prägend für mehr als eine Generation von Schreibenden. Andreas Okopenko war einen großen Autor, der still, unebirrbar aber konsequent seinen poetischen Weg ging. Stets blieb er neugierig und offen für aktuelle literarische Entwicklungen. Für sein Wirken wurde er mehrfach ausgezeichnet, u.a. mit dem Großen Österreichischen Staatspreis 1998. Das literarische Leben Österreichs verliert nicht nur eine wichtige poetische Stimme, sondern auch einen liebenswerten Menschen. Seine Bücher werden bleiben!


EIN FEST FÜR ANDREAS OKOPENKO
am 10. April 2010

Veranstaltungsbild

"Zu einem Geburtstag
Deine Luft sei nun von Adlern frei."*

Wir zünden Geburtstagskerzen an für Andreas Okopenko zu seinem 80er.

KARIN IVANCSICS, GÜNTHER KAIP, FRIEDERIKE MAYRÖCKER, HERBERT J. WIMMER lesen Texte des Autors.

Einführende Worte RALPH KLEVER

ANDREAS OKOPENKO wurde am 15. März 1930 in Kosice / Slowakien geboren. Studium der Chemie an der Universität Wien. Lektor der Kulturzeitschrift "Neue Wege". Herausgeber der "publikationen einer wiener gruppe junger autoren". Gründer des "Situations-Kollektivs" zur sozialen Lage der Schriftsteller. Herausgeber mehrerer Nachlässe, u. a. von Hertha Kräftner und Ernst Kein. Seit 1991 Präsidiumsmitglied der Internationalen Erich Fried Gesellschaft.

Okopenko wurde u. a. mit dem Anton-Wildgans-Preis, dem Großen Österreichischen Staatspreis und dem Georg-Trakl-Preis ausgezeichnet. Zuletzt erschien im Klever Verlag "Erinnerung an die Hoffnung. Gesammelte autobiographische Aufsätze" (2008), sowie bei Deuticke die Neuauflage des "Lexikonromans einer sentimentalen Reise zum Exporteurtreffen in Druden" (2008).

* Titel-Gedicht aus Andreas Okopenko: "Streichelchaos" (Ritter, 2004) (Veranstaltet mit dem Literaturhaus Wien)


Zum Tod von Alexander von Bormann

Der lange in Amsterdam lebende und lehrende Germanist Alexander von Bormann hat sich als Kenner insbesondere der politischen Lyrik im 20. Jahrhundert verdient gemacht und sein umfangreiches Wissen auch im Rahmen von Veranstaltungen der Internationalen Erich Fried Gesellschaft immer wieder eindrücklich unter Beweis gestellt.
Von Bormann sollte auch bei den kommenden Erich Fried Tagen 2009 mitwirken. Mit großem Bedauern mussten wir daher von Krankheit und Tod Kenntnis nehmen.
Alexander von Bormann, der mit einer Arbeit über Eichendorff promoviert hatte, galt als großer Förderer der jungen deutschen Dichter, die er mit Hilfe von Stipendien gern zu sich in sein Haus in Laren eingeladen hatte. Viele hat er zu lebenslangen Freunden gewonnen.
Die Frankfurter Allgemeine schreibt in ihrem Nachruf: "Die Bezeichung 'Literaturvermittler' verliert, denkt man an Alexander von Bormann, ihre begriffliche Nüchternheit und gewinnt Farbigkeit und Leben."
Alexander von Bormann starb am 17. September 2009 auf seinem Alterssitz in Worpswede.


Elfriede Gerstl (1932-2009)

Die Erich Fried Gesellschaft trauert um Elfriede Gerstl, eine der Großen in der österreichischen Literaturlandschaft.
Am Donnerstag, den 9. April 2009 verstarb die Autorin im Alter von 76 Jahren nach schwerer Krankheit.
Als Kind jüdischer Eltern am 16. Juni 1932 geboren, überlebte sie den Nationalsozialismus in verschiedenen Verstecken in ihrer Heimatstadt Wien, in der sie trotz ihrer Kindheitsschrecken weiterhin blieb. Nach dem Studium der Medizin und Psychologie trat sie ab 1955 als Autorin in Erscheinung - verfasste Lyrik, Essays und kurze Prosastücke. Ihre erste eigenständige Publikation Gesellschaftsspiele mit mir erschien 1962; Aufsehen erregte sie mit ihrem Montageroman Spielräume (entstanden 1968/69), dem "denkwürdigen Zeugnis eines Eigensinns, der Einsichten der experimentellen Literatur dazu gebrauchte, um feministischen Anliegen auf die Sprünge zu helfen", sowie ihrem Kleiderflug (1995, erw. Aufl. 2007), einem Hohelied auf die Sammelleidenschaft. Aber auch Politik und Gesellschaft fanden in ihrem Werk einen poetischen Niederschlag.
Gerstl war in der Wiener Gruppe aktiv, trat aber auch in anderen wichtigen Literaturszenen der 1950er, 60er und 70 er auf. Sie wurde mit zahlreichen Preisen, u.a. dem Erich Fried Preis, dem Georg-Trakl-Preis (beide 1999) und zuletzt dem Heimrad-Bäcker-Preis (2007) ausgezeichnet.
Bis zuletzt arbeitete sie an Lebenszeichen, einer Sammlung von "Gedichten, Träumen, Denkkrümeln und Postkarten", die zum größten Teil in den letzten drei Jahren entstanden sind und nun posthum erscheinen werden.

Stimmen zu Elfriede Gerstl:

Elfriede Jelinek
"Ihre schwerelosen, wunderbar leichten Gedichte, haben mir immer wieder gezeigt, daß das Leichte für mich, für viele, zu schwer ist. Und das bei diesem Schicksal! [...] Diese zarte kleine Person, die immer im Hellen herumgelaufen ist und so hell und witzig geschrieben hat, hat das Dunkelste erlebt, ohne je selbst verdunkelt gewesen zu sein in ihrem Wesen und Schreiben. Das ist für mich immer das Unbegreiflichste gewesen, ein Wunder."

Friederike Mayröcker widmete Elfriede Gerstl folgenden lyrischen Text:
"Das unendliche Treppenhaus.
Sie steht lächelnd an der Wohnungstür, umarmt mich. Wie es ihr gehe, wage ich kaum zu fragen. Ob sie geschrieben habe 1 Gedicht oder Epigramm, ja sie bekomme viele Besuche, aber es seien die letzten Tage, ich bin betrübt.
Sie erwarte 1 Himmel mein Gedanke beim Abschiednehmen"

Claudia Schmied, Bundesministerin für Unterricht, Kunst und Kultur
"Elfriede Gerstl repräsentierte die literarische Avantgarde in Österreich. Ihr Schreiben war mutig nach der Verfolgung durch das nationalsozialistische Terrorregime. Es war selbstbestimmt in einer Welt, in der Autorinnen hinter ihren männlichen Kollegen zurückstecken mussten. Ihr Werk war poetisch und sprachgewandt, ihr öffentliches Auftreten jedoch bescheiden. Durch ihren Tod hat die deutschsprachige Nachkriegsliteratur eine wichtige Vertreterin verloren, deren Werk in all seiner Bedeutung erst zukünftige Generationen erfassen werden können."

Der Standard
"In Gerstls außergewöhnlichem Werk wurde die Politik noch einmal poetisch gespiegelt - und in ihrer Erbarmungswürdigkeit eindrucksvoll demaskiert. Umgekehrt verzichteten ihre Texte niemals auf Welthaltigkeit. Gerstl, die Sammlerin und Kustodin textiler Hinterlassenschaften, lieferte knochentrockene Bestandsaufnahmen der heimischen Lebenswelt. [...] Sie hat die heimische Literatur mit eigensinnig-leichthändigen Texten beschenkt: Gedichten zum Beispiel, in denen wie selbstverständlich alle diejenigen Erkenntnisse aufgehoben sind, mit denen die männlich dominierte Avantgarde in den 1950/60er Jahren weitaus großspuriger auftrat."

orf.at
"Die Knappheit, in der die Wiener Dichterin Elfriede Gerstl auch oft Alltägliches ohne poetische Überhöhung verdichtet, macht ihr Werk zu pointierten Schnappschüssen ihrer Zeit."


MEIN FRIED
Die Internationale Erich Fried Gesellschaft und das Literaturhaus Hamburg schreiben einen Preis für essayistische Auseinandersetzung mit Erich Fried aus.

Um das Werk des Schriftstellers und Übersetzers Erich Fried (1921-1988) auch in der jüngeren Generation präsent zu halten, laden die Internationale Erich Fried Gesellschaft, Wien, und das Literaturhaus Hamburg zu einem Essaywettbewerb ein.
Aufgefordert, sich in einem maximal 15.000 Zeichen umfassenden Aufsatz oder Essay mit den Arbeiten oder dem Leben Erich Frieds auseinander zu setzen, werden Autorinnen und Autoren der Jahrgänge 1973 und jünger.

Über die Preise von € 2.000,-, 1.000,- und 500,- wird eine fünfköpfige Jury entscheiden. Zudem erhalten die Preisträger die Möglichkeit, ihre Essays im Rahmen einer im Mai 2009 stattfindenden Erich-Fried-Veranstaltung im Literaturhaus Hamburg vorzutragen.

Die Beiträge müssen als Papierausdruck und als E-Mail-Datei bis zum 27. Februar 2009 eingesandt werden an:

Literaturhaus Hamburg
z.H. Isabell Köster
Schwanenwik 38
D-22087 Hamburg
Mail: ikoester@literaturhaus-hamburg.de

Gez. Dr. Sabine Groenewold, Präsidium der Erich Fried Gesellschaft,
Dr. Rainer Moritz, Leitung Literaturhaus Hamburg


ERICH FRIED LESUNG
26. Mai 2008
19 Uhr
Literaturhaus
1070, Zieglergasse 26A

"Da ich jetzt nicht mehr so unglücklich bin
wie vor dem Schreiben dieses Briefes ..."
(Erich Fried an Lydia Trüb, undatiert)

Briefe aus dem Nachlass

Aus Anlass des 20. Todestages lesen Präsidiumsmitglieder der Gesellschaft unveröffentlichte Briefe aus dem Nachlass von und an Erich Fried: darunter Korrespondenzen politischer und literarischer Natur, Liebesbriefe und Lyrisches.

Es lesen: Elfriede Gerstl, Karin Ivancsics, Robert Menasse, Andreas Okopenko, Robert Schindel, Herbert J. Wimmer

Moderation: Volker Kaukoreit


07. Mai 2008
19 Uhr
Literaturhaus
1070, Zieglergasse 26A

ERICH FRIED LECTURE
Evelyn Schlag: "Geheime Tinten"
Die österreichische Autorin wurde 1952 in Waidhofen an der Ybbs / NÖ geboren. Studium der Germanistik und Anglistik an der Universität Wien.
Werkauswahl: "Brandstetters Reise" 1985; "Die Kränkung", 1987; "Der Schnabelberg", 1992; "Unsichtbare Frauen", 1995; "Die göttliche Ordnung der Begierden", 1998; "Brauchst du den Schlaf dieser Nacht", 2002; "Das L in Laura", 2003; "Architektur einer Liebe", 2006.
Zahlreiche Auszeichnungen: u.a. Anton Wildgans Preis, Bremer Förderpreis zur Literatur, Österreichischer Würdigungspreis.

Die Erich Fried Lectures eröffnen eine Plattform für die kritische Auseinandersetzung mit der Gegenwart, mit der Literatur, mit künstlerischen oder allgemein politischen und gesellschaftlichen Fragen - Österreichs oder Europas. Der Rahmen für die Vortragenden ist breit gesetzt und öffnet Perspektiven - entsprechend der Denkweise des Namenspatrons - auf Kritik oder Vision.


Stéphane Mosès (1931-2007)

Der Tod ist laut Stéphane Mosès nicht der Abbruch der Geschichte. Tot und leer ist vielmehr ihr mechanischer Verlauf. Wo aber das Kontinuum der Zeit unterbrochen werde, ereigne sich Leben.
Der anerkannte Literaturwissenschafter, der der Fried Gesellschaft seit vielen Jahren verbunden war, verstarb am 1. Dezember 2007 nach langer Krankheit in Paris. 1931 in Berlin geboren emigrierte er 1937 mit seinen Eltern in die französische Kolonie Marokko. Nach dem Krieg studierte er in Paris deutsche Literatur. Weitere Stationen: Von 1971-1977 leitete er das komparatistische Institut der Hebräischen Universität und baute dort den Fachbereich Germanistik auf, dann gründete und leitete er von 1990 bis 1996 das Franz Rosenzweig-Forschungszentrum für deutsch-jüdische Literatur und Kulturgeschichte. 1997 beendete er seine Lehrtätigkeit mit einer Gastprofessur an der Universität Basel.
Stéphane Mosès wurde vielfach ausgezeichnet u.a. mit einem Ehrendoktorat der Universität Tübingen.
Publikationen, eine Auswahl: Une affinite litteraire. Le "Titan" de Jean-Paul et le "Docteur Faustus" de Thomas Mann (1972), System und Offenbarung. Die Philosophie Franz Rosenzweigs (1985), Juden in der deutschen Literatur. Hg. von Stéphane Mosès und Albrecht Schöne. (1985), Spuren der Schrift. Von Goethe bis Celan (1987), Der Engel der Geschichte. Franz Rosenzweig - Walter Benjamin - Gershom Scholem (1994), Manès Sperber als Europäer. Eine Ethik des Widerstands (1996), Literatur und Rhetorik. Hg. von Stéphane Mosès (u.a.). (2000), Eros und Gesetz (2003).


George Tabori ist tot

"Was ich an seinen Stücken immer bewundert habe, war die ironische Leichtigkeit, mit der er die entsetzlichsten Dinge gefasst hat. Wie Diamanten in Papier, und sie bleiben trotzdem an Ort und Stelle." (Elfriede Jelinek)
Der Autor und Theatermacher George Tabori war seit vielen Jahren Mitglied der Internationalen Erich Fried Gesellschaft. Am 23. Juli 2007 verstarb der "sanfte Erneuerer des Theaters" in Berlin.
Tabori wurde 1914 als Sohn jüdischer Eltern in Budapest geboren. Er arbeitete dort als Journalist und Übersetzer, bevor er 1936 nach London emigrierte.
1943 erschien mit "Beneath the Stone" sein erster Roman, dem über 50 Theaterstücke, Romane, Erzählungen und Hörspiele folgten.
1947 ging Tabori, dessen Familie fast zur Gänze von den Nazis ermordet wurde, in die USA. Die Auseinandersetzung mit dem Faschismus wurde zum zentralen Thema seiner Arbeit. In seiner schwarzen Komödie "Mein Kampf" (Uraufführung im Wiener Akademietheater 1987) begegnet Adolf Hitler, der als brotloser Künstler in einem Wiener Männerwohnheim ein elendes Leben fristet, dem jüdischen Bibelvertreter Schlomo Herzl. Das Theaterstück "My Mother's Courage" wiederum handelt von Taboris Mutter, die nur durch einen bizarren Zufall der Deportation nach Auschwitz entkam - ein SS-Offizier ließ sie in letzter Minute aus dem Zug aussteigen.
Zuletzt wurden im Rahmen der Ruhrfestspiele im deutschen Recklinghausen im Mai drei neue Szenen des Autors unter dem Titel "Gesegnete Mahlzeit" uraufgeführt. Regie führte Tabori dabei von zu Hause aus.


Inge Jens zum 80.

Inge Jens, Autorin, Herausgeberin und Literaturhistorikerin, feiert am 11. Februar 2007 ihren 80. Geburtstag. In enger Zusammenarbeit mit ihrem Mann Walter Jens entstand im Lauf von mehr als 50 Jahren ein umfangreiches editorisches Werk, zuletzt erschienen die hoch gelobten Publikationen über "Frau Thomas Mann. Das Leben der Katharina Pringsheim" (2003) und "Katias Mutter. Das außerordentliche Leben der Hedwig Pringsheim" (2005).
Inge Jens hat sich darüber hinaus große Verdienste um die Herausgabe und kenntnisreiche Kommentierung der Tagebücher Thomas Manns aus den Jahren von 1933 bis zu seinem Tod 1955 erworben; weiters war sie Editorin unter anderem von Thomas Manns Briefen an Ernst Bertram (1960), der Briefe und Aufzeichnungen aus dem Nachlass von Max Kommerell (1967) und der Briefe und Aufzeichnungen der Geschwister Hans und Sophie Scholl (1984).
Die Internationale Erich Fried Gesellschaft gratuliert ihrem langjährigen Präsidiumsmitglied Inge Jens zum Geburtstag.


Friedpreisträger Oskar Pastior gestorben

Christina Weiss, damalige Staatsministerin für Kultur und Medien der Bundesrepublik Deutschland, in ihrer Laudatio anlässlich der Verleihung des Erich Fried Preises 2002 an Oskar Pastior:

Um sein Material in Mikrostrukturen aufzuspalten, um Redewendungen umzustülpen, Festgefahrenes anzustoßen und grotesk aufblitzende Ähnlichkeiten auszuspielen, muss Oskar Pastior die Geschichte seiner Wörter rekapitulieren. Und die Geschichte seiner Wörter deckt sich zu einem bedeutenden Teil mit der Geschichte seines Lebens. Das Gedächtnis der Sprachwendungen, Dialekte, der staatsdienenden Normsprache, der Schlagzeilen, Schlager, Abzählverse und Kinderreime schüttelt Oskar Pastior aus. Der Leser erlebt diesen Austauschprozess mit. Es kann gar nicht mehr darum gehen, ein geradliniges oder gar eindeutiges Verständnis zu ermitteln, die Aussage liegt in der Teilhabe am Sprachvollzug, und dieser entfaltet sich in jedem Leserhirn anders. Bewegung auch hier. Dennoch bindet sich Oskar Pastior an bestimmte Sprechmuster. An das Anagramm, das Palindrom, das Sonett, an Villanellen und Pantums, an Sestinen. Er legt sich Beschränkungen auf, Überdeterminationen wie er sagt, contraintes, um es oulipotisch zu sagen: "Formzwänge, alphabetische, konsonantische, vokalische, syllabische, phonetische, graphische, prosodische, mimische, rhythmische und numerische Programme und Strukturen." Ein fast unüberblickbares Feld, ein Arbeitsacker sozusagen. Und Oskar Pastior sticht um, arbeitet sich ab, womit er keineswegs gegen die Regelhaftigkeit in der Poesie angeht, vielmehr wird seine Arbeit gerade von selbsterdachten und aus der Tradition der literarischen Produktionstechniken überlieferten Regeln angestoßen.

Oskar Pastior wurde in Hermannstadt als Angehöriger der deutschen Minderheit in Rumänien geboren. Im Januar 1945 deportierte man ihn in die Sowjetunion, wo er in verschiedenen Lagern als Zwangsarbeiter eingesetzt war. Erst 1949 wurde ihm die Rückkehr nach Rumänien gestattet.

Dort lebte er in den folgenden Jahren von Hilfs- und Gelegenheitsarbeiten. Von 1955 bis 1960 studierte er Germanistik an der Universität Bukarest und legte dort sein Staatsexamen ab. Ab 1960 war er Redakteur bei der deutschsprachigen Inlandsabteilung des Rumänischen Staatsrundfunks. Seine ersten Lyrikveröffentlichungen im Rumänien der 60er Jahre erregten Aufsehen und brachten ihm zwei bedeutende rumänische Literaturpreise ein. 1968 nutzte Pastior einen Studienaufenthalt in Wien zur Flucht in den Westen. Er ging weiter nach München und anschließend nach West-Berlin, wo er seit 1969 als freier Schriftsteller lebte.

Oskar Pastior starb am 4. Oktober 2006 während der Buchmesse in Frankfurt am Main. Am 21. Oktober hätte ihm der Georg-Büchner-Preis 2006 überreicht werden sollen.

Oskar Pastior Werkauswahl: 1964: "Offene Worte", 1966: "Gedichte", 1969: "Vom Sichersten ins Tausendste", 1971: "Reise um den Münd in achtzig Feldern" (Hörspiel), 1975: "Höricht. Sechzig Übertragungen aus einem Frequenzbereich", 1976: "Fleischeslust; "An die neue Aubergine. Zeichen und Plunder", "Die Sauna von Samarkand" (Hörspiel), 1978: "Ein Tangopoem und andere Texte", 1978 und 1985: "Der krimgotische Fächer. Lieder und Balladen", 1983: "33 Gedichte" (Petrarca-Übersetzungen), 1985: "Anagrammgedichte", 1987: "Jalousien aufgemacht. Ein Lesebuch", 1990: "Kopfnuß Januskopf. Gedichte in Palindromen"; "Neununddreißig Gimpelstifte. Gedichte." 1992: "Vokalisen & Gimpelstifte", 1994: "Eine kleine Kunstmaschine. 34 Sestinen"; "NOCHMAL DEN TEXT EIN ANDERER. Von Gertrude Stein." (Hörspiel) 1997: "Das Hören des Genitivs. Gedichte"; "Gimpelschneise in die Winterreise-Texte von Wilhelm Müller", 2000: "Villanella & Pantum. Gedichte", 2002: "o du roher iasim. 43 intonationen zu "harmonie du soir" von charles baudelaire"


Rolf Schwendter wird zum neuen Präsidenten der Grazer Autorinnen Autoren Versammlung gewählt
Die Grazer Autorinnen Autoren Versammlung hat in geheimer Wahl Rolf Schwendter im Juli 2006 zum Nachfolger für die im April verstorbene langjährige GAV Präsidentin Heidi Pataki bestimmt. Der 1939 in Wien geborene Schriftsteller und Wissenschaftler war bereits von 1989 bis 1991 Präsident der GAV, mußte dann aber aufgrund des damals gültigen Rotationsprinzips die Funktion abgeben. Rolf Schwendter ist Präsidiumsmitglied der Fried Gesellschaft und war deren Präsident 2001-2005.
Der dreifacher Doktor und emeritierte Professor für Devianzforschung an der Universität Kassel publizierte zahlreiche Bücher (sowohl theoretische als auch literarische), auf seine Initiative hin wurde 1990 des "Erste Wiener Lesetheater und zweite Stegreiftheater" gegründet, er trat als Liedermacher auf, machte sich als Subkulturforscher einen Namen und veröffentlichte in "Schwendters Kochbuch" feine und fast vergessene Rezepturen aus den europäischen Regionalküchen.
Werke u.a. Theorie der Subkultur (1973), Ich bin noch immer unbefriedigt (1980), Katertotenlieder (1987); psalter (1991); Ein kalter Truthahn aus Nikotin (1992); Utopie (1994); Arme essen - Reiche speisen (1995); Drizzling Fifties (1996); Lesetheater. Wien (2002); Subkulturelles Wien (2003), Blues auf dem Weg zum Wahnsinn (2004).


Der "Ehrenpreis des Österreichischen Buchhandels für Toleranz in Denken und Handeln" geht an den Berliner Verleger Klaus Wagenbach
Die mit 7.200 Euro dotierte Auszeichnung wird am 13. November 2006 im Rahmen der Eröffnung der Österreichischen Buchwoche im Wiener Rathaus verliehen. Klaus Wagenbach, Gründungsmitglied der Fried Gesellschaft, ist der erste Verleger, der mit dem Preis ausgezeichnet wird; vergeben wird er vom Hauptverband des Österreichischen Buchhandels gemeinsam mit dem Fachverband der Buch- und Medienwirtschaft. 2005 hat ihn die österreichische Schriftstellerin Barbara Frischmuth erhalten.
In der Jury-Begründung heißt es: "Verleger agieren an der wichtigen Schnittstelle zwischen Kultur und Öffentlichkeit und sind verantwortungsvolle Mittler zwischen den Kulturen." Klaus Wagenbachs Bemühungen um die italienische, französische, spanische und englische Kultur haben dazu beigetragen, "das Wissen und die Freude am Umgang mit den Nachbarn zu mehren."


Österreichisches Ehrenkreuz für Wissenschaft und Kunst für Prof. Walter Hinderer
Der Bundespräsident der Republik Österreich verleiht dem langjährigen Fried-Präsidiumsmitglied Walter Hinderer, Professor an der Princeton University, am 11. April 2006 das Österreichische Ehrenkreuz für Wissenschaft und Kunst - "in Würdigung seiner großen Leistungen" und als "Beweis für das hohe Maß der Anerkennung seines verdienstvollen Wirkens", wie es in der Aussendung des Bundes heißt.


ERICH FRIED LESUNG
Mo, 22. Mai 2006, 19 Uhr

im Literaturhaus
1070, Zieglergasse 26 A

Wo das Wort
dir gefällt
wo das Wort
fehlt
wo das Wort
einen Fehler hat
wo es verdorrt
dort
fall ins Wort
          (Auszug)

Erich Fried (1921 - 1988) war ein mitreißender und inspirierender Vortragender, der am Ablauf seiner Programme genauso feilte wie an einzelnen Verszeilen - er komponierte seine Lesungen.

In der dritten Veranstaltung im memoriam Erich Fried interpretieren sechs Präsidiumsmitglieder der Internationalen Erich Fried Gesellschaft für Literatur und Sprache eine solche Komposition; Erich Frieds Kommentare und Übergänge zwischen den Texten werden im O-Ton von Band eingespielt.

Es lesen GUSTAV ERNST, WALTER HINDERER,
KARIN IVANCSICS, FRIEDERIKE MAYRÖCKER,
ANDREAS OKOPENKO, DORON RABINOVICI

Idee und Moderation VOLKER KAUKOREIT


Internationale Erich Fried Gesellschaft für Literatur und Sprache, Wien
und
Hochschule für Musik und Theater, Hamburg

Ausschreibung

Die Internationale Erich Fried Gesellschaft, Wien, und die Hochschule für Musik, Hamburg, veranstalten aus Anlass des 85. Geburtstags des Dichters Erich Fried (1921-1988) einen Kompositionswettbewerb für alle Sparten. Insbesondere KomponistInnen aus den Bereichen Rock, Pop & Jazz werden aufgefordert sich zu bewerben.

Gegenstand ist die Vertonung eines Gedichts von Erich Fried. Form (Lied, Ballade, Chanson, Popsong, etc.) und Stil (HipHop, Rap, etc.) sind frei wählbar.

Eine internationale Jury unter Leitung der Erich Fried Gesellschaft wählt fünf Werke aus, die im Rahmen einer öffentlichen Veranstaltung aufgeführt werden. Geplant sind eine Veranstaltung im Forum der Hochschule für Musik in Hamburg, im September 2006, sowie eine Veranstaltung im Rahmen der Verleihung des Erich Fried Preises im November 2006 in Wien.
Die Gewinner erhalten Geldpreise bzw. Sachpreise.

Teilnahmeberechtigt sind alle StudentInnen an deutschsprachigen Musikhochschulen sowie eigenschöpferische Musiker und Musikerinnen, die das 30. Lebensjahr noch nicht vollendet haben.

Die Komposition soll für maximal fünf Musiker konzipiert werden, davon mindestens eine Singstimme. Sie soll die Dauer von fünf Minuten nicht überschreiten und sie muss selbst aufgeführt werden, die Komponistin oder der Komponist soll also an der Aufführung als Musiker mitwirken. Jedes von Erich Fried veröffentlichte Gedicht darf vertont, in seinem Wortlaut jedoch nicht verändert werden.

Die Rechte für die Vertonung der Erich Fried Texte werden von der Erich Fried Gesellschaft gewährleistet. Dies gilt nicht für die kommerzielle Verwertung.

Die Komposition muss sowohl als Papierausdruck (Partitur) als auch in Form eines Tonträgers (z.B. Demo-CD) eingereicht werden. Sie darf weder veröffentlicht noch uraufgeführt sein oder bereits einen Preis gewonnen haben. Jeder Teilnehmer darf nur ein Werk einsenden. Einzureichen sind fünf Partiturexemplare (keine Originale). Nach dem Wettbewerb verbleibt ein Exemplar bei der Fried Gesellschaft.

Der Wettbewerb ist anonym. Partitur und Tonträger sind mit einem Kennwort zu versehen und dürfen keine Hinweise auf Namen und Herkunft des Schöpfers enthalten. Der Einsendung ist ein gesondertes, geschlossenes Kuvert mit Kennwort beizulegen, das Name, Adresse, email, Geburtsdatum, Staatsangehörigkeit, Foto und künstlerische Vita sowie eine Erklärung der alleinigen Urheberschaft enthält.

Einsendeschluss ist der 15. Mai 2006
Es gilt das Datum des Poststempels.

Einreichungen an:
Hochschule für Musik und Theater
Kennwort: Wettbewerb Vertonung von Erich Fried Gedichten
Harvestehuder Weg 12
20148 Hamburg

Die Benachrichtigung der Gewinner erfolgt unmittelbar nach der Entscheidung der Jury, spätestens am 15. Juni 2006.

Die Preisträger erklären sich bereit, das Aufführungsmaterial bis zum 13. Juli 2006 zu erstellen, während der Generalprobe anwesend zu sein und ggf. eine öffentliche Werkeinführung zu geben. Während der Proben und der Veranstaltung sind die Preisträger Gäste der Erich Fried Gesellschaft.

Die Entscheidung der Jury ist nicht anfechtbar. Der Rechtsweg ist ausgeschlossen.

Weitere Infos und Termine:
Hochschule für Musik und Theater
Harvestehuder Weg 12
20148 Hamburg
www.musikhochschule-hamburg.de

Zum Werk Erich Frieds
Klaus Wagenbach Verlag
www.wagenbach.de
Claassen Verlag
www.ullsteinbuchverlage.de/claassen
Österreichische Nationalbibliothek
www.onb.ac.at





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