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Mit den Worten des Anderen
Literatur und ihre Übersetzer
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Der Begriff Weltliteratur wäre ein leerer, gäbe es die Übersetzer nicht, doch die Künstler arbeiten mit wenigen Ausnahmen im Verborgenen. Je unsichtbarer sie selbst, heißt es gemeinhin, desto sichtbarer das Werk. Kaum ein Uneingeweihter ahnt daher, was eine gute oder gar kongeniale Übersetzung ausmacht. Sprachliches Talent ist längst nicht genug, eine künstlerische Ader unverzichtbar. Aber auch Geduld und Hartnäckigkeit gehören dazu wie die genaue Recherche, denn die kulturellen und historischen Besonderheiten eines Werks lassen sich selten maßstabgetreu in eine andere Sprache transportieren. So ist Kaffee nicht gleich café, aber auch nicht caffè oder coffee. Eine Romanfigur trinkt eine Wiener Melange sicherlich mit anderem Genuss als einen Espresso in einer italienischen Stehbar oder einen Styroporbecher Instantkaffee bei McDonald's.
Programm
Donnerstag, 22. November 2007
19 Uhr
Eröffnung
Worte:
Kurt Groenewold
Vorsitzender der Internationalen Erich Fried Gesellschaft
Sybille Straubinger
Abgeordnete zum Wiener Landtag und Mitglied des Gemeinderates der Stadt Wien
Klaus Amann
Präsident der Internationalen Erich Fried Gesellschaft
Eröffnungsvortrag: Swetlana Geier
"Das Übersetzen ist unmöglich und deshalb nötig"
Die Grande Dame der LiteraturübersetzerInnen, die mit ihrer Neu-Übersetzung der Romane von Fjodor Dostojewskij neue Maßstäbe gesetzt hat, spricht über ihre lebenslange Leidenschaft.
Ausstellungseröffnung:
Erich Fried: Objekte und Bilder
Die Malerin, Fotografin und Bildhauerin Catherine Boswell Fried im Gespräch mit Walter Hinderer
"I drew and painted Erich from the outset because I recognised, the very first time I met him, that he was in some ways a perfect model, with strong features and at the same time a wonderfully expressive face - though he was always working and only still when asleep. Then, after he died, I made a number of sculptures and installations about him and of my thoughts about his memory." (Catherine Boswell Fried, 2007)
Freitag, 23. November 2007
Podium 1
15 Uhr
"Ohne Übersetzer käme uns vieles Spanisch vor"
Auf dem ersten Podium stellen sich BerufsübersetzerInnen den Grundsatzfragen literarischer Übersetzungsarbeit und versuchen, die Grenzen zwischen Werktreue und Nachdichtung neu zu ziehen.
Erich Fried postulierte etwa, dass ein "Übersetzer den Ehrgeiz haben sollte, möglichst getreu zu übersetzen". Umberto Eco rät dem Übersetzer dagegen, sich vom Treuefetisch zu lösen. "Verhandeln mit dem Original", nennt er es, wenn der Übersetzer den schmalen Grat, zwischen dem, was beim Übersetzen verloren, und dem, was gewonnen wird, entlanggeht.
Moderation: Ines Mitterer (ORF)
Sverre Dahl (N, Österreichischer Staatspreis für literarische Übersetzung 2001, übersetzt seit mehr als drei Jahrzehnten deutschsprachige Literatur ins Norwegische, u.a. Hermann Hesse, Heinrich Böll, Thomas Bernhard, Ingeborg Bachmann), Karin Fleischanderl (A, Österreichischer Staatspreis für literarische Übersetzung 1995, Übers. a.d. Italienischen u.a. Antonio Tabucchi), Marcus Ingendaay (D, zahlreiche Übers. von u.a. Zadie Smith, William Gaddis), Olivier Le Lay (F, Andre Gide Preis 2006 für seine Übersetzung von Elfriede Jelineks "Die Kinder der Toten"); Werner Richter (A, Übersetzer von T.C. Boyle und Präsident der österreichischen Übersetzergemeinschaft)
100 Jahre Hans Mayer
17.30 Uhr
Der Leipziger Verleger
Mark Lehmstedt präsentiert im Dialog mit der Schauspielerin
Steffi Böttger die von ihm herausgegebenen Bände: "Hans Mayer. Briefe aus Leipzig 1948-1963" (2006) und "Der Fall Hans Mayer. Dokumente 1956-1963" (2007)
Hans Mayer war alles andere als stiller Betrachter und Chronist seiner Zeit. In seinen Briefen spiegeln sich die literarischen und kulturpolitischen Auseinandersetzungen der deutschen Nachkriegszeit wie in einem Brennglas.
Im zweiten Band dokumentiert Mark Lehmstedt, wie man den unliebsam gewordenen Hans Mayer 1963 mit einem Fußtritt aus der DDR hinausgeworfen hat. Vorausgegangen waren sieben Jahre fortgesetzter öffentlicher Angriffe und nahezu lückenloser Überwachung durch SED und MfS. Die mehr als 260 Dokumente der "Akte Mayer" - darunter die Protokolle der von der Stasi abgehörten Gespräche mit Ernst Bloch - zeichnen ein genaues Bild der Hintergründe, Mechanismen und Zusammenhänge der "ideologischen Offensive", ihrer sichtbaren Akteure und geheimen Strippenzieher.
Podium 2
20 Uhr
AutorInnen übersetzen AutorInnen
Sind Autoren die besseren Übersetzer? Nicht wenige Literaten treten auch als Übersetzer in Erscheinung. Auf diesem Podium treten Stilfragen in den Vordergrund. So geht es etwa um den Moment, wo das eigene Schreiben beim Übersetzen zum Konflikt führt oder die eigene Stimme das Original übertönt.
Moderation: Daniela Strigl (Kulturpublizistin)
Martin Amanshauser (A, übers. a.d. Portugiesischen: u.a. Rui Zink), Zsuzsanna Gahse (HU, übers. a.d. Ungar.: Péter Esterházy), Ilma Rakusa (CH und Slowakei; übers. a.d. Russischen, Serbokroatischen, Ungarischen und Franz.; zahlreiche Übers. u.a. Marguerite Duras und Marina Zwetajewa); Martin Pollack (A, übers. aus dem Polnischen: u.a. das Gesamtwerk des jüngst verstorbenen Ryszard Kapuscinski), Michael Stavaric (CZ, übers. aus dem Tschechischen, u.a. Patrik Ourednik, Jiri Grusa)
Samstag, 24. November 2007
Podium 3
17 Uhr
"Das Übersetzen großer Dichtungen ist unmöglich und sehr nützlich" (Erich Fried)
Die Neu-Übersetzung von Weltliteratur ist oft ein undankbares Unterfangen, denn das neue Werk wird unweigerlich an den etablierten, gefeierten Vorbildern gemessen. Andererseits können sich die Übersetzer am Bewährten orientieren. Manch einer spricht in diesem Zusammenhang gar nur von Nach-Übersetzung.
Moderation: Klaus Amann (Robert Musil Institut, Klagenfurt)
Petr Borkovec (CZ, Dichter und Übersetzer u.a. antiker griechischer Dramen), Shelley Frisch (USA, Übersetzerin und Literaturwissenschafterin), Frank Günther (D, Übersetzer und Regisseur, seit 1970 Gesamtwerk Shakespeare),
Christa Schuenke (D, zahlreiche Übers., u.a. von Jonathan Swift und Shakespeare), Klaus Wagenbach (Verleger, Herausgeber der Werke Frieds)
Autor trifft Übersetzerin
19 Uhr
Einführung: Heinz Lunzer (Dokumentationsstelle für neuere österreichische Literatur, Wien)
Der österreichische Autor Daniel Kehlmann im Gespräch mit der renommierten amerikanischen Verlegerin und Übersetzerin aus Leidenschaft Carol Brown Janeway (Vizepräsidentin von Alfred A. Knopf) über die Mühen und Plagen, Freuden und Fallstricke bei der Übertragung seines Romans "Die Vermessung der Welt" ins amerikanische Englisch.
"... because it enchants. Because here, amid the formidable pile of contemporary German-language fiction, is a voice that combines comic bravura with a fierce intelligence, and that has the power, almost forgotten these days, to keep
you as a reader in your seat, fascinated, until it chooses to let you go. " (Carol Brown Janeway)
Sonntag, 25. November 2007
11 Uhr
Verleihung des Erich Fried Preises 2007
Begrüßung: Kurt Groenewold, Vorsitzender der Erich Fried Gesellschaft
Einführende Worte: Klaus Amann, Präsident der Erich Fried Gesellschaft
Laudatio: Ilma Rakusa, alleinige Jurorin
Preisverleihung: Andrea Ecker, Sektionschefin der Kunstsektion im Bundesministerium für Unterricht, Kunst und Kultur
Vortrag des Preisträgers: Peter Waterhouse
link: Erich Fried Preis
Redaktion: Heinz Lunzer, Anne Zauner, Romana Ledl, Teresa Haider
Bildrechte: Klaus Amann: © Marko Lipu (www.literturfoto.net); Martin Amanshauser: © privat; Petr Borkovec: © Martin Pospisil; Sverre Dahl: © privat; Karin Fleischanderl:© Brigitte Rapp; Catherine Boswell Fried: © Klaus Fried; Shelley Frisch: © privat; Zsuzsanna Gahse: © Yvonne Böhler; Swetlana Geier: © Niklaus Stauss; Frank Günther: © Ars Vivendi Verlag; Walter Hinderer: Marko Lipu (www.literturfoto.net); © Daniel Kehlmann: © Sven Paustian; Marcus Ingendaay: © privat; Olvier Le Lelay: © Elie Galey; Erika Mitterer: © Brigitte Rapp; Martin Pollack: © Paul Zsolnay Verlag; Ilma Rakusa: © Simon M. Ingold; Werner Richter: © privat; Christa Schuenke: © Jürgen Bauer; Michael Stavaric: © Lukas Beck; Daniela Strigl: © privat; Klaus Wagenbach: © Arpad Bondy; Peter Waterhouse: © Lukas Dostal
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