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| Pierre Emme | |
| Pizza letale. Palinskis elfter Fall. Meßkirch: Gmeiner Verlag, 2010. 276 Seiten; brosch.; Euro 9,90. ISBN 978-3-8392-1055-0. Wiener Hausmannskost Pierre Emme war fünf Jahre lang Krimiautor, ehe er im Juli 2008 verstarb. Vor seiner Karriere als Schriftsteller konnte der promovierte Jurist auf eine abwechslungsreiche berufliche Laufbahn zurückblicken. Seine letzte geschäftliche Unternehmung führte ihn in die Privatinsolvenz. Nach diesem Rückschlag zog sich Emme von der Welt zurück und begann seinen ersten Roman zu schreiben, den der Autor nach eigener Ansicht als "unlesbar" bezeichnete.
Letztendlich schaffte es Emme aber, die "unlesbare Phase" seine Schaffens zu überwinden und fand mit dem österreichischen Gmeiner Verlag sogar einen Distributor. Für diesen produzierte er nunmehr eine Reihe Krimis, deren Held Palinski sich mit größeren und kleineren SchurkInnen befasst. Nebenbei frönt der Protagonist und "Leiter des Institutes für Krimiliteranalogie" seiner zweiten Passion, der Völlerei.
In Pierre Emmes letztem, posthum erschienenem Werk Pizza Letale ruft ein Rollstuhlfahrer namens Wilhelm Sanders den Notruf an und röchelt der Leitstelle seine letzten Worte ins Ohr. Der Stummelsatz wird alsbald zum Problem für einen Pizzazusteller, der kurz vor Sanders Tod den Herrn noch beliefert hatte. Ein Glück für den Pizzaboten, dass seine stereotype italienische Mama mit Palinski gut befreundet ist. Dieser isst nämlich immer in dem italienischen Familienbetrieb zu Mittag. Generell vermisst man beim Lesen eine charakterliche Ausdifferenzierung der Figuren, von psychologischer Tiefe ist leider gar nicht zu sprechen. "Wiens skurrilster Kriminologe [...]. Verrückt, chaotisch.", der einem auf dem Buchrücken versprochen wird, outet sich als blasser Saubermann. Anscheinend ein Alt-68er, angekommen im intellektuell-grünen Establishment, dessen anti-spießbürgerliche Haltung sich in seiner Abneigung gegen Anzüge und Krawatten manifestiert. Palinsnkis Aversion gegen Mobiltelefone und sein Hang zu gutem Essen muten weder skurril noch verrückt an, sondern eher ziemlich gewöhnlich. Auch seine bürgerlich-liberale political correctness, welche immer wieder vom Erzähler zu Tage gefördert wird, passt so gar nicht in die Beschreibung auf dem Buchumschlag.
Trotzdem baut Emme durchgängig Spannung auf, auch wenn deren Bogen verhältnismäßig flach verläuft. Manchmal wundert man sich ein wenig, wie zufällig der Erzähler die verschiedenen Erzählstränge zusammenführt, was man dann aber recht oft auch wieder vergisst, wenn man sich von dem ganz angenehmen Plauderton, der das formale Gerüst für den Fortgang der Geschichte(n) bildet, wieder mitspülen lässt. Die sprachlich schlichten Parts, in denen er nicht versucht, ganze Konvolute an seltsam anmutenden Vergleichen, Wortspielereien und Attributen zu konstruieren, sind Emmes Stärke.
Oliver Bayer Originalbeitrag Für die Rezensionen sind die jeweiligen Verfasser verantwortlich. Sie geben nicht notwendig die Meinung der Redaktion wieder. Hinweise auf weitere Rezensionen bietet unsere Online-Datenbank zum Zeitungsausschnittarchiv.
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