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| Robert Menasse | |
| Don Juan de la Mancha oder Die Erziehung der Lust. Roman. Frankfurt/Main: Suhrkamp, 2007. 280 S.; geb; EUR (A) 19,40. ISBN 978-3-518-41910-6.
Don Juan hat abgehalftert. Alles, was er sich jetzt noch zu leisten imstande ist, ist ein Lebensrückblick.
Auf der Couch der Psychotherapeutin Hannah Singer lässt Nathan sein bisheriges Leben Revue passieren. Bindet ihr aber auch so manche Lügengeschichte auf die Nase. Es gilt das Prinzip: wenn schon erfunden, dann wenigstens schön erzählt. Am Ende kulminiert alles in einem geisterhaft anmutenden letzten erotischen Spiel mit der Geliebten, die Nathan wie angekündigt und abgesprochen am folgenden Tag verlassen wird, ein Exerzitium aus Lust und Schmerz und Rollentausch, als hätte sich dies ein James Ensor einfallen lassen (und nach Menasses eigener Aussage war dieses Bild die Keimzelle des ganzen Romans). Woraufhin danach alles wohl gepflegt endet und neue ruhige Bahnen findet. Candide hat seinen Lebensgarten gefunden. Nathan schreibt als fester freier Mitarbeiter für die Zeitung und hat die Wirrnisse des Lebens (und des 'Lebens', das mittlerweile 'LifeStyle' heißt) hinter sich. Der Roman des Wieners Robert Menasse, auch ein streitbarer politischer Intellektueller, Kommentator und Kulturpublizist, ist eine kunst- und lustvolle Kreuzung aus Woody Allen-Filmen, den frühen erotisch expliziten Büchern Philip Roths plus einer gehörigen Portion Schmäh. Die angenehm leicht zu lesende und Funken schlagende Prosa wird punktiert von vielen Exkursen, aus denen Menasses Stimme deutlich zu vernehmen ist und worin vieles sehr böse und treffend - der Alltag in Redaktionen etwa - verspottet wird.
Er greift mit diesem Buch ein aus seinem bisherigen Werk bekanntes Motiv auf: Lust, Last und Freud - und deren Entzauberung. Ganz am Schluss kann sich Menasse eine hinreißende Volte nicht verkneifen. Künftig muss er, um auf Lesungen die sich unvermeidlich einstellende klassische Standardfrage "Haben Sie das alles selbst erlebt?" zu beantworten, nur noch sein aufgeschlagenes Buch hochhalten. Auf den letzten zwei Seiten ist ein Foto zu sehen. Von circa Mitte, Ende der siebziger Jahre. Da sieht man in einem großen Kreis einen reich gelockten, vollbärtigen jungen Mann sitzen, in Griffnähe viele junge Frauen. Der weiße Pfeil signalisiert: Hier sitze ich, der Menasse, Robert. Und wie viel Frauen schauen mich, den Spaßmacher in der Runde, an - vier, fünf, sechs?
Alexander Kluy Originalbeitrag Für die Rezensionen sind die jeweiligen Verfasser verantwortlich. Sie geben nicht notwendig die Meinung der Redaktion wieder. Hinweise auf weitere Rezensionen bietet unsere Online-Datenbank zum Zeitungsausschnittarchiv.
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