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| Peter Oberdorfer | |
| Kreuzigers Tod. Kriminalroman. München: dtv, 2008. 272 S.; brosch.; Euro [A] 9,20. ISBN 978-3-423-21065-2.
Ein Dorfpolizist erinnert sich; plötzlich und unvermittelt: "Heute vor genau 33 Jahren verließ ich an einem sonnigen Frühlingstag gegen drei viertel elf die Polizeistation [...] und ging in das kleine Lebensmittelgeschäft, das dem Hans Vergreiner gehörte." (S.6) Schon befindet man sich in einem österreichischen Bergdorf in den Siebzigern, schon ist der Mord passiert: der Sohn des Bürgermeisters, schwarzes Schaf der Familie und schüchterner Einzelgänger, liegt im Wald, in seinem Schädel steckt seine eigene Axt. Wer hat's getan?
Ungewöhnlich und wohltuend an Oberdorfers Erstling ist, dass er im Gegensatz zur sonst üblichen Austro Krimi Produktion keinen lustig-flapsigen Ton anschlägt, sondern sich um Ernsthaftigkeit bemüht. Ironisches mischt sich nur ab und an in die Handlung, etwa wenn der Ich-Erzähler über die Liebe des Polizisten zum Schnauzbart räsoniert, grundsätzlich aber gilt: der Krimi-Plot und die psychologische Zeichnung der HandlungsträgerInnen stehen im Vordergrund, nicht die Pointe.
Oberndorfer interessiert sich dafür, was Menschen antreibt. Er versucht, seine Figuren so genau als möglich zu zeichnen. Dennoch geraten sie manchmal ein wenig unglaubwürdig. Der Assistent des Ich-Erzählers, von dem es anfänglich heißt, er spreche wie ein Kind (S.8), mausert sich innerhalb weniger Tage zum scharfzüngigen Karrieristen: "Genau das ist es, Herr Wachmann: Da gibt es kein 'aber'. Leute wie Sie werden nie verstehen, wie einfach das Leben eigentlich ist. Es ist so einfach, dass man es geradezu für einen Scherz halten könnte. Aber [sic!] passt in einen Querkopf wie den Ihren einfach nicht hinein. Dabei wäre Ihr Gehirn durchaus leistungsfähig. Diese vielen grauen Zellen, die sich so vergeblich quälen, finden Sie das nicht schade?" Barbara Angelberger Originalbeitrag Für die Rezensionen sind die jeweiligen Verfasser verantwortlich. Sie geben nicht notwendig die Meinung der Redaktion wieder. Hinweise auf weitere Rezensionen bietet unsere Online-Datenbank zum Zeitungsausschnittarchiv.
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