Ilse Aichinger - "Film und Verhängnis."
Leseprobe

Zwei in einem Boot

Bleiben leicht für sich. Von Gruppen werden sie kaum angenommen. Einer für sich wäre weniger darauf angewiesen. Oder auf andere Weise. Aber daran ist nichts zu ändern. An ihren Bewegungen und Blicken, auch Stimmen, sind sie leicht zu erkennen. Der Sommer und sein Licht spielen fast umsonst für sie. Gerade deshalb könnten sie später hilfreich werden. Die extremen Zustände, die auf sie zukommen, werden sie nicht rasch genug begreifen, da ihr Zustand selbst extrem ist. Oft wird ihr doppeltes Dasein als eine von den vielen unerwarteten Nachrichten begriffen werden, die man doch rasch vergißt. Selbst wenn sie es hassen, identisch genannt zu werden, ohne es zu sein, werden sie sich daran gewöhnen.
Wer entgeht der Gewöhnung? Selbst Sterbende können, zu Reflexion gezwungen, einer letzten Banalität oft nicht entgehen. Jonas im Wal könnte ihnen vielleicht beistehen, von dem, der ihn entwarf, ganz gut entworfen: geduldig und zum Zorn doch fähig. Aber das liebste Ziel wäre ihnen doch, nirgends zu landen und zuletzt im Stehen beerdigt zu werden, wie Josef der Zweite es vorschlug: um Platz zu sparen. In Wien spart man sonst häufig bei den Lebenden.
(Dezember 1999)

© 2001, S. Fischer Verlag, Frankfurt/M.
Publikation mit freundlicher Genehmigung des Verlags.





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