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| Christoph Wilhelm Aigner | |
| Die Berührung Gedichte. Stuttgart: Deutsche Verlags-Anstalt, 1998. 71 S., brosch.; DM 28.-. ISBN 3-421-05114 -3. Im Bändchen "Die Berührung" von C. W. Aigner sind 4 x 13 Gedichte versammelt, die ausgehen von einem fast nicht Gewesenen: "... da war eine zufällige Berührung / und ein Lächeln dazu / Nicht mehr... /" (S. 44). Die Berührung löst einen Sturm aus, der "beginnt am Haus zu saugen ..., der mich dreht / ein Stück hebt / während ich auf der Erde / gehende Bewegungen versuche" (S. 21). Liebe ist ausgebrochen, aber "feinstgerieben" (S. 62) und -verteilt und gerade darum so hochpotenziert. "Zuneigung" ist das stärkste Wort, "Liebe" wird nicht ausgesprochen.
Ein Liebender tritt auf wie ein Berührter nach einem Schlag: Seine Bewegungen als Rekonvaleszent drängen ihn, nach einem kurzen "schwarzen Sommer" (S. 45) und einer "braunhaarigen Herbstin" (S. 58), in eine eisige Winterreise. Alleingänge, denn "du bist weit fortgegangen" (S. 39). Doch die Entschwundene ist überall, "als gingst du in der Luft"
Diese Gedichte nehmen die Bilder aus der Natur. Sie sind klar zu lesen wie Spielkarten, legen ihre Zeichen offen. Ihre Verschränkung nach verschiedenen Merkmalen lädt zum Gruppieren nach Motiven ein - wie beim Tarot. Ein Hauptmotiv ist der Regen, das Wässrige überhaupt in allen seinen Formen: als Hagel, Nebel, Meer. Entsprechend auch das Luftige: als Atem, Wind, Sturm, Atmosphäre. Man findet das Feuer in den Blitzen, das Feste in Felsen, Schnee und Eis. Einfachheit einer antiken Elementenlehre. Auch Bilder für Farben muten sapphisch an: "honigfarbene" Wolke Aigners Gedichte sind "unherkömmlich" (Sarah Kirsch), wohl auch in dem Sinn, daß die verachtete Naturlyrik wieder Wert bekommt. Sie sind reimlos, oft arhythmisch, antirhythmisch mit Stolperwörtern zwischendrin, manchmal "knirscht [die Rede] wie mit den Zähnen" (S. 66), Vers und Sprechrhythmus kongruieren selten. Das aber macht sie nicht sperrig, sondern griffig: sie prägen sich auswendig ein, die Rätselwörter dienen dem inneren Souffleur als Merkzeichen. Gelegentlich, etwa wenn einen eine Schlußzeile unvermutet anspringt, das Innerste berührend wie bei Rilke, zeigt sich die Nähe zum ganz Großen. Theo Döllgast |
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