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Alfredo Bauer - "Geliebteste Tochter"
Leseprobe
Ob er mich geschwängert hat? Das ist sein größter Wunsch, ich weiß es. Mein Herr Papa, der Kaiser, will es auch. Er meint, wir hätten dann stärkeren Einfluß auf ihn. Mehrmals hat er mir das eingeschärft bei der einzigen Zusammenkunft, die wir vor meiner Abreise hatten. Ein Sohn von ihm, geboren von einer kaiserlichen Prinzessin, würde ihn für immer trennen von seiner jakobinischen Vergangenheit und ihn zu einem Vertreter der ligitimen Macht machen. Ich hab Papas Worte noch im Ohr, ebenso wie die, die er mir sagte, als ich noch ganz klein war und er mich auf den Schoß nahm wie ein guter Vater seine kleine Tochter: 'Nie werd ich dich verheiraten gegen deinen Willen, mag es auch noch so sehr das Staatswohl verlangen!' Ich wollte ihn daran erinnern. Aber er wußte genau, was ich sagen würde, und gebot mir mit einer Handbewegung zu schweigen.
Der Anton klopft ans Haustor. Nichts geschieht. Er klopft weiter, und immer stärker, bis schließlich ein Mann erscheint und das Tor einen Spalt breit aufmacht. Zweifellos ist es der Pförtner. Er erklärt uns einigermaßen widerwillig, daß niemand hineindarf, denn es tage gerade die Empfangs-Komission für Ihre Kaiserliche Hoheit, die Frau Herzogin Marie Luise.
(c) 1997, Edition Atelier, Wien. |
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