Alfred Brendel -
"Störendes Lachen während des Jaworts"

Leseprobe

Als FUFLUNS
der Gott des Entzückens
beschloß
einer ansehnlichen Dame namens Hildegard
seine Aufwartung zu machen
kräuselte sich auf ihren Armen unverzüglich die Gänsehaut
und kroch
wie eine Ameisenstraße
über Schultern und Hals
bis auf den Kopf hinauf
wo sich das Haar
nach der Art eines Igels einer Drahtbürste oder eines Besens
um nicht zu sagen
einer Hexe oder der Medusa
prachtvoll sträubte
Zugleich
schnurrte es aus dem Inneren der Dame heraus
wie bei einer Katze einer Nähmaschine oder einer hydraulischen Pumpe
unterbrochen nur
von freudigen Seufzern
obwohl sich auch Artikulierteres wie FLUNSI mehrmals unterscheiden ließ
Des weiteren
sah man Hildegard
die Augen in der Manier des italienischen oder spanischen Seicento verdrehen
und
nach Gewohnheit sich häutender Schlangen oder indischer Tempeltänzerinnen
ihren Rumpf in elliptische Bewegung versetzen
Leider
wurde zu diesem Zeitpunkt
der erhabene FUFLUNS
von FLAUSIA
der Göttin der Sparsamkeit der Vernunft und des Hungerleidens
zur Ordnung gerufen
was FUFLUNS
denn er war ihr Gatte
dazu veranlaßte
verärgert
aber mit eingezogenem Kopf
das Weite zu suchen
Heute noch
kann man Hildegard
in Momenten plötzlicher Geistesabwesenheit
dabei ertappen
wie sie ihren Mund trompetenartig vorstülpt
das Wort FLUNSI formend
und dabei die Schultern hochzieht
als hätte etwas Kühles ihren Rücken berührt
(S. 54f.)

(c) 1997, Hanser, München, Wien.
Publikation mit freundlicher Genehmigung des Verlags.





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