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| Dine Petrik | |
| Befragung des Zorns Gedichte. Salzburg, Wien: Otto Müller, 1999. 88 S., geb.; öS 198.-. ISBN 3-7013-0991-4. Lyrik ist insofern etwas höchst Raffiniertes, als sie auf den ersten Blick immer gleich ausschaut. Und sobald sich der Leser auf die Suche nach dem Unverwechselbaren macht, verliert die Lyrik auch immer einige ihrer geheimnisvollen Federn des ersten Eindrucks.
Was bei Dine Petriks Gedichtband "Befragung des Zorns" sofort ins Auge springt, ist der schwere Drucksatz, wie ihn sonst meist der Nautilus-Verlag aus dem Bleischrank holt, wenn es um die Darstellung von DADA-Texten geht. Dine Petrik legt den Texten oft Gebrauchsanweisungen für die Lektüre bei, die gleichzeitig zu tragenden Elementen des Gedichtes werden. Im Gedicht "die so nette katz" (S. 53) wird ironisch die Sonett-Form aufgegriffen und zu einer Sonett-Doublette im doppelten Sinn des Wortes moduliert. Eine subtile Beschreibung einer Katzenbeschreibung steigert sich im zweiten Teil zu einer Reflexion der Reflexion. Garniert wird diese Katzen-Hommage noch mit Lautmalereien der Katze und Klopfzeichen der streichelnden Hand. Eines der komplexesten Gedichte ist mit "IL SILENZIO / IN UDAIPUR" überschrieben. Mit diesem Gedicht gelingt es Dine Petrik, eine innere Reise in einem perfekten Naturset zu installieren. Meer, Lava, Oper und Antike sind zu einer Aufführung vor dem lyrischen Ich angetreten, das vor dieser Wagner-ähnlichen Oper in Bewunderung ausbricht. Im gleichen Atemzug freilich treten aus der perfekten Inszenierung wie überall an wundersamen Orten die perfiden Gestalten des Tourismus in Szene, so daß man am liebsten nach einem weltweiten "Silenzio" rufen möchte. Dine Petriks Gedichteband bietet dem Leser alles, was er sich von guter Gegenwartslyrik wünschen kann. Ein dynamisches Sprachspiel, innovative Bilder, hintersinnige Vor- und Metaebenenen und eine kluge Ironie, die das lyrische Ich äußerst sympathisch macht. Im Vorsatz ist sogar eine kleine Lyrik-Theorie abgedruckt, womit die "Befragung des Zorns" als durchaus positives Programm ausgewiesen ist. Helmuth Schönauer |
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