Paul Divjak - "lichtstunden"
Leseprobe

da taucht es wieder auf: das grosse, verwinkelte haus auf dem land. du bist müde und willst schlafen gehen. dein allabendlicher rundgang zeigt: die eingangstüre aus glas lässt sich nicht versperren. der schlüssel liegt abseits in einer holzhütte im garten. das hinaustreten in die nacht führt zu einer efeubewachsenen wand. du suchst den lichtschalter, kannst ihn nicht finden. eine laterne irgendwo, weit weg, flammt auf. plötzlich raschelt es im gebüsch. aus der dunkelheit löst sich etwas. ein tierähnlicher schatten (ein vierbeiner) durchkreuzt den garten, läuft an dir vorbei und zischt mit tiefer stimme: "tu's nicht!"

verschwitzt sitzt du da, schreibst vor dich hin. im suchen nach dem grund verfängst du dich im bodenlosen.

an einem geöffneten fenster. kurt kren, star der avantgarde und wenig später tot, und du. ihr lacht, und er grinst zahnlücke. du fragst ihn, wie viele stunden schlaf er braucht, um ausgeschlafen zu sein.

auf einem bett in einem rustikal eingerichteten zimmer liegt dein freund marcel. im arsch ist's finster, und drinnen hat er ein handtuch stecken. nur ein zipfel frottee ist noch zu sehen. ein typ beginnt daran zu ziehen. meter um meter kommt eine lange handtuchwurst zum vorschein. - was für praktiken! du wunderst dich - swimmingpool - und nimmst die rolltreppe auf realitätsebene eins. (S. 36f.)

© 2000, edition selene, Wien.
Publikation mit freundlicher Genehmigung des Verlags.





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