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| Hermann Gail | |
| Der Löwenruf Roman. Herausgegeben von Andreas Weber. Weitra: Bibliothek der Provinz, 1999. 339 S., geb.; öS 340.-. ISBN 3-85252-289-7.
Der Roman beginnt mit der Bitte eines Patienten an den "Sehr geehrten Herrn Doktor", die zerrüttete Seelenlage des Schreibers zu beachten und das beigefügte Konvolut an Papieren durchzusehen.
Die Papiere erzählen von einem Gefangenen-Leben, in dem das Gefängnis auch nach der Entlassung weiter geht. Ein kurzes Zwischenkapitel berichtet von der Freiheit und Arbeit in einer Stempelfabrik. Die Stadt scheint wie ein Film mit einer falschen Geschwindigkeit neben dem Beobachter abzulaufen, und so nimmt es nicht Wunder, daß der Erzähler "nur zur Beobachtung" in eine Anstalt eingeliefert wird.
Im dritten Teil schließlich wiederholt sich die Welt des Gefängnisses wie in einem schlechten Traum. Zwischen Psychiatrie, geriatrischer Abteilung und aktiver Justizanstalt sind die Grenzen fließend. Der Erzähler geht noch einmal die Stationen seines Lebens durch und stößt angewidert auf immer skurrilere Modernisierungen, die den Strafvollzug aber umso unmenschlicher machen. Eine perfekte Justiz endet schließlich immer mit der Niederlage des Gefangenen.
Hermann Gail beschreibt im "Löwenruf" einen einzigartigen Kosmos des Gefängnisses. Es steht nie zur Debatte, was eigentlich zur Einlieferung des Erzählers ins Gefängnis geführt hat, denn mit der staunenden Demut eines Josef K. nimmt der Held den Strafvollzug auf sich. Wer einmal in die Speichen der Justiz gegriffen hat, für den ist die Welt vor und hinter den Gittern gleich strukturiert. Nur wer systematisch "abtrünnig und allein" bleibt, kann dieser durch und durch bürokratisch gestalteten Welt widerstehen. Helmuth Schönauer |
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