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| Petra Ganglbauer - "Niemand schreit" | |
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Leseprobe
Niemand schreit. Es ist Stille. Die Sonne erreicht mich wieder in Augengegend. Die Luft ist vollkommen ruhig, als wäre das Unruhige abgeglitten. Die Steine liegen dort, wo sie hingehören. Das Lachen ist zurückgekehrt. Besondere Farben lassen mich wieder zur Ruhe kommen. Der Duft spät blühender Linden berauscht mich. Ich hatte meine Dinge verlassen, nun sind sie wiedergekehrt. Das Haus, in dem ich wohne, ist das Haus. Der Garten, ist der Garten. Der Himmel darüber liegt ausgespannnt, als der Himmel. Das Wasser fließt unaufhörlich. Glucksend. Rinnend. Plätschernd. Das Erwachen ist das Erwachen. Meine Stimme ist meine Stimme. Das Dach ist das karmesinrote Dach. Mein Kleid ist kobaltblau. Nun sind die Dinge wiedergekehrt. Ein Wiedererkennen von Kopf bis Fuß. Zunächst mein Gesicht. Es ist mein Gesicht. Das Gesicht, das jeder kennt. Oder nicht kennt. Das Haar. Die grünen Augen. Meine grünen Augen. Der Mund. Niemand schreit mehr. Es ist Stille. Es ist vollkommen. Es ist Gegenwart. Es hat Zeit. Ich habe Zeit. Ich habe mich wieder in der Zeit. Die Straßen sind die geschäftigen Straßen. Die Beflissenheit ist die alte Beflissenheit. Es ist die Beflissenheit. Der Lärm der Kraftfahrzeuge ist der Lärm. Die Vogelstimmen singen, die Vogelstimmen. Nun sind die Dinge wiedergekehrt. Nun bin ich wiedegekehrt. Mitten hinein, in den Verkehrsstau. Hinein in die Auseinandersetzungen. Hinein ins Vergnügen. Mitten hinein und drinnen. Die rote Katze ist die rote Katze. Und wieder. Und immer wieder. Der Elefantenbaum ist üppig. Der Staub auf den Regalen liegt. Ich habe mich erreicht. Ich habe mich eingeholt. Ich bin wieder da. Ich bin zusammengezählt. Ich zähle. Von nun an erzähle ich. Ahnungen Einsichten
Was rettet, ist nicht die Liebe.
© 2001, Milena Verlag, Wien. |
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