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| Petra Ganglbauer, Waltraud Seidlhofer | |
| Lippenverreißung, (k)ein klang. Graz: edition gegensätze, 1998. (gegensätze 10). 34 S., brosch.; öS 100.-. ISBN 3-900902-11-7.
Wenn man davon ausgeht, daß das TÜV-Pickerl beim Auto der Theorie in der Literatur entspricht, so sind in der Literatur fast alle Dichter ohne Theorie unterwegs. Umso tapferer sind jene SchriftstellerInnen einzustufen, die fallweise den Schreibstrom unterbrechen, um Hand an die Schreibtheorie zu legen. Die schmalen Bändchen der edition gegensätze, "literarische theorie", sind in ihrer Konzentration nicht zu unterschätzen. Die von Dieter Sperl und Paul Pechmann herausgegebenen Literatur-Tabs lösen auf Anhieb großen Schaum der Begierde aus und bieten dem Leser Klarheit, wenn er lange genug bei der Lesearbeit bleibt. Mit Ruck-Zuck läßt sich der "Lippenverreißung" jedenfalls nicht beikommen, erst wenn man den Text von vorne nach hinten und zurück, mit und gegen den Strich gelesen hat, werden die Gedanken so klar, daß man auch anderen Lesern davon erzählen kann. Im Gemeinschaftswerk der beiden Autorinnen geht es um so grundlegende Fragen wie: Kann ein gemeinsamer Text entstehen, ohne daß dabei die Autorinnen zerrissen werden? Wie läßt sich ein Text so zähmen, daß er für den Rezipienten zugänglich wird? Wie kann man mit kleinem Inventar und minimalem Instrumenteneinsatz etwas so Gewaltiges wie einen gültigen Text produzieren?
"Aufforderung an die Leserin/den Leser: Bitte keine Logikbombe!" (S. 32)
"Wen plündere ich, wenn ich ihn hereinhole in den Text, namentlich, niemanden!" (S. 16) Diese "allmählichen Überlegungen beim Verfassen von Texten" lassen sich vermutlich auch auf ander Texte übertragen. Es ist durchaus reizvoll und nützlich, mit dem Beobachtungs-Set der beiden Autorinnen an Texte heranzugehen, die man dieser Veredelungsprozedur für würdig erachtet. Helmuth Schönauer |
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