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| Hilde Langthaler | |
| Golem Now Stück. Wien: Triton, 2000. 47 S., geb.; öS 160.-. ISBN 3-85486-046-3. Jede Epoche hat ihr spezifisches Material, aus dem die jeweiligen Mythen und Träume geformt sind. Während der archaische Golem in der jüdischen Überlieferung aus Ton und Lehm geformt wird, baut man den Golem der Gegenwart offensichtlich aus Chips mit hauchdünnen Spezial-Legierungen zusammen. Der künstlich geschaffene Mensch der "Jetztzeit" ist eine virtuelle Erscheinung, die ununterbrochen mit verbesserten Programmen aufgebaut und am Leben gehalten werden muß.
In Hilde Langthalers Stück "Golem Now" scheitert das Paar Hanna und Helmut an den modernen Lebensbedingungen.
Helmut ist durch seine Computerprogramme mit der ganzen Welt verbunden, aber von der wenige Meter entfernt um Fassung ringenden Hanna kontinental weit entfernt. Informationen, die ganze Archive füllen könnten, werden in Sekundenschnelle abgerufen, mit den Augen gescannt und wieder gelöscht. Gegen diese Welt-Datei nimmt sich die Allerwelts-Datei der Realität richtig mickrig aus.
Hilde Langthalers Stück geht vordergründig der Frage nach, wie man eine Partnerschaft auf die Beine stellen soll, wenn die Chemie nicht mehr stimmt. In dieser Fragestellung ist inkludiert, wie man zwischen einem digitalen Weltnetz authentische Sätze wie "ich liebe dich" oder "ich habe Hunger" unterbringen soll.
"Golem Now" ist ein realistisches Theaterstück oder ein Stück theatralische Realität. Raffinierterweise ist es so geschrieben, daß seine Aktualität durch tägliche Ergänzung jederzeit à jour gehalten werden kann. Helmut Schönauer |
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