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| Peter Handke / Lisl Ponger | |
| Ein Wortland Eine Reise durch Kärnten, Slowenien, Friaul, Istrien und Dalmatien. Klagenfurt / Celovec: Wieser, 1998. 231 S., m. Abb., geb.; öS 698.-. ISBN 3-85129-257-X. Die Fotografin Lisl Ponger und der Schriftsteller Peter Handke durchstreifen altösterreichisches Terrain; die entstandenen Bild- und Textspuren liegen nun, eingeteilt in die vier Abschnitte Kärnten, Slowenien, Friaul, Istrien und Dalmatien, in einem Band des Klagenfurter Wieser Verlags vor.
Im Abschnitt "Kärnten" werden Textpassagen aus den letzten vier Jahrzehnten
Fotos von Handkes Geburtsort Griffen und Umgebung, Greutschach, Rinkolach,
Rinkenberg, Sorgendorf, Tanzenberg u. a. gegenübergestellt.
Im Abschnitt "Slowenien" folgen vor allem Auszüge aus "Die Wiederholung"
(1986), jenem Roman, der vom zwanzigjährigen Filip Kobal erzählt, der sich
auf die Suche nach seinem verschwundenen Bruder begibt. Die Suche führt ihn
vom südlichen Kärnten nach Slowenien. "Die Wiederholung" thematisiert ihren
Titel auf mehrfache Weise (Wiederholung des Bruders, Wiederholung dieser
Fahrt im Roman fünfundzwanzig Jahre später usw.), und so kann man Pongers
Fotos als weitere Wiederholung lesen: Die Bilder zeigen u. a. Maribor,
Jesenice, Bistrica, Soca, Kobarid, Dutovlje und den Karst. "Friaul" bringt ebenfalls Auszüge aus Werken der letzten zehn Jahre, die, wie kleine Schnappschüsse, Reiseerinnerungen festhalten: Den "Jukebox-Parade-Ort" Casarsa, die friaulischen Glühwürmchen, ein Sommergewitter. Der schreibende Reisende bleibt außenstehender Beobachter, er mischt sich nicht ein ins Leben der fremden Städte, und so sind auch die Bilder der Fotochronistin auffallend menschenleer. Die wenigen dennoch Abgebildeten huschen schnell aus dem Bild oder zeigen eine Schattensilhouette. Fotografiert wurde in Gemona, San Daniele, Casara, Brazzano, Redipuglia, Aquilea, Montfalcone, Gorizia, Sagrado u. a. Der vierte und letzte Abschnitt, "Istrien und Dalmatien", bringt ebenfalls Textstellen jüngeren Entstehungsdatums, besonders aus der "Niemandsbucht". In diesem Roman hat der Erzähler kein Bedürfnis mehr zu reisen, stattdessen verfolgt er die Reisen seiner sieben fernen Freunde. Und so paßt es gut, daß gerade einige Zitate aus diesem Roman die vorliegende Publikation beschließen. Pongers Fotos zeigen Piran, Strunjan, Pazin, Dubrovnik und Ston. Immer wieder Hafengegenden, Symbole des Abschieds und der Freiheit. Orte der Geborgenheit, die das Wissen um Abenteuer und Wildheit in sich tragen. 1966 provozierte der 24jährige Handke in Princeton bei der Tagung der Gruppe 47, als er seinen Kollegen "Beschreibungsimpotenz" vorwarf. Wie es der Autor selbst mit dem Beschreiben hält, kann anhand der Beispiele aus beinahe 30 Schaffensjahren verfolgt werden. Dicht am Empfinden des (Ich-) Erzählers wird die Umwelt erschlossen - subjektive Kameraführung, könnte man sich einen Ausdruck aus der Filmbeschreibung entlehnen. Petra Rainer |
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