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Paulus Hochgatterer - "Wildwasser"
Leseprobe
Heinz König hat mich nicht betrogen. Das war nach zirka dreieinhalb Kurven klar. Erstens war das Ziehen schlagartig verschwunden, zweitens wurde ich immer geiler, und drittens spielte ich mit einem Mal in einem Monty-Python-Film mit. Da ich ziemlich übermenschliche Kräfte besaß, trieb ich mein Gefährt mit transgalaktischer Geschwindigkeit voran. Dennoch hatte ich das Gefühl, die Zeit bleibe stehen. Die Häuser, an denen ich vorbeikam, sahen abwechselnd aus wie meine Schule und wie kleine Atomkraftwerke. [...] In den Gärten lagen die Menschen nackt an ihren Swimmingpools. Elvira Kraus wackelte mit einem Hintern aus besseren Zeiten vor mir her. Plötzlich gab es Linksverkehr. Der Fahrer eines Klein-LKWs stieg aus und brüllte mich an. Er hatte einen Schädel wie Homer, der Vater von Bart Simpson. - Mein Vater ist Zahntechniker, sagte ich zu ihm, er macht verschiedene Sachen aus Zahnkeramik, zum Beispiel nackte Frauen. Der Mann schüttelte seinen Homer-Simpson-Schädel, stieg in seinen schäbigen Laster und haute ab. Er hielt mich wahrscheinlich für total übergeschnappt, was ja stimmte, und das mit den nackten Frauen aus Zahnkeramik stimmte auch. Die Sonne war grün.
Ich spulte die Kassette zum Anfang zurück, stieg aus, holte mir von hinten das Paddel und trat ans Geländer. Judith folgte mir. - Nein, Judith, nein, sagte sie, geh nicht zu nah ans Wasser, da kannst du ertrinken! Dann warf sie den weißen Plüschdelphin in hohem Bogen in den Abgrund. Dabei lachte sie laut auf. - Weißt du, sagte ich zu ihr, was mein Vater einmal zu mir gesagt hat, als wir vom Fußweg aus die Lammeröfen besichtigten? Manche springen da hinunter, hat er gesagt, und sind tot, und manche springen nicht hinunter und sind nicht tot.
(c) 1997, Deuticke, Wien, München. |
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