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| Elfriede Jelinek | |
| Das Lebewohl 3 kl. Dramen. Berlin: Berlin Verlag, 2000. 62 S., brosch.; DM 19,80. ISBN 3-8270-0390-3.
Während die Erregung über die FPÖ, der wohl umstrittensten
Regierungspartei Europas, in den Medien wie auf den Straßen auf- und
abklingt, entsteht ein Theatertext, der zwischen dem hohlen Pathos Jörg
Haiders und dem hohen Pathos der griechischen Orestie schwankt. Natürlich kommt es anders. "Das Lebewohl" erzählt von keinem wirklichen Abschied. Im Kreise seiner Getreuen, den wunderschön lächelnden Knaben, atmet der Verführer aus jeder Zeile seine Sehnsucht nach absoluter Macht. Er will zurück, will "alle", er will geliebt werden von "allen", und wenn sich "alle" wehren, dann auch gehasst werden von "allen", denn: "Wir sind ja alle, weil wir stets gemeinsam wir sind! Die anderen: nur viele! Nur mehr viele! Nicht mehr als viele!"
Ausnahmsweise führt nicht Jörg Haider Regie, sondern eine Frau, Elfriede
Jelinek. Ausnahmsweise polarisiert nicht Jörg Haider, sondern eine Frau
- ihn. Der Theatermonolog "Das Lebewohl" zeigt deutlich, warum Elfriede
Jelinek den Freiheitlichen ein Dorn im Auge ist. Ihr literarisches Ethos
ist unbestechlich, sie lässt sich nicht auf plumpe Demagogie ein. "Das
Lebewohl" besticht als Psychogramm eines Verführers. Der Monolog ist
keine gehässige Abrechnung mit Jörg Haider, keine simple Retourkutsche
auf verleumderische Angriffe. Der Text ist subversiver, er spürt dem
Wesen der Verführung nach, versucht sich an den magischen
Beschwörungsformeln der Rattenfänger aller Zeiten. Haider ist Jelineks
"Sprachmaterial", und wenn die Autorin ihr tiefes politisches Unbehagen
mit ästhetischen Mitteln formuliert, trifft sie ins Herz. Der Berlin Verlag stellt dem Monolog zwei weitere Bühnentexte Jelineks an die Seite - wohl nicht nur aus inhaltlicher Notwendigkeit, sondern auch aus produktionstechnischen Gründen. 35 Seiten "Haider"-Monolog geben, welch letzte Schmach für ihn, noch kein Buch.
Der zweite Text, ebenfalls ein Theatermonolog, heißt "Das Schweigen".
Auch hier will ein Mensch verführen, wenn auch mit lauteren Mitteln. Ein
Ich - ein Autor, vielleicht eine Autorin - hadert mit dem Wort. "Das
Schweigen" ist ein manchmal übermütiger, manchmal ein wenig
geschwätziger Text über das Schreiben: eine Schrift über Robert
Schumann, nein, DIE Schrift über Robert Schumann gilt es zu verfassen.
Und frei nach: "Und wenn der Mensch in seiner Qual verstummt, gab mir
ein Gott zu sagen, was ich leide" formuliert Elfriede Jelineks Held/in
etwas kürzer und postmoderner: "Ich lebe nicht. Ich schöpfe.".
Der dritte und letzte Theatertext "Der Tod und das Mädchen II" ist Teil
eines geplanten "Prinzessinnen-Zyklus" (Teil 1: "Eine kleine Trilogie
des Todes" erschien 1999). Mit dem "Tod" kehrt Jelinek nach Österreich
zurück. Das Land schläft, Dornröschen gleich, den Schlaf des Vergessens
und wartet auf seinen Prinzen. Den guten Prinzen, den bösen? Anne M. Zauner |
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