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| Hansjörg Zauner | |
| Jolly Prosastücke. Graz, Wien: Droschl, 1999. (edition neue texte). 134 S., geb.; öS 200.-. ISBN 3-85420-522-8. 1989 debütierte Hansjörg Zauner mit "zerschneiden das sprechen" in der "edition neue texte", nach "alarmleinen vor huefte gekehlt" (1995) erschien nun das dritte Buch in der nach dem Rückzug Heimrad Bäckers beim Droschl-Verlag beheimateten renommierten Reihe. Aber solch kleine Jubiläen - nicht zuletzt steht im Dezember der 40. Geburtstag Zauners ins Haus - treffen sich wohl eher zufällig mit dem Erscheinen der mit "Jolly" betitelten Sammlung von "Prosastücken" aus den letzten fünf Jahren. Die Auswahl und Zusammenstellung der Texte erfolgte mit kompositorischem Gespür, vom leichtfüßigen Auftakt ("seitentext") bis zu den Schlußworten ("... abgebrochen worden ...") - sicher keine leichte Aufgabe für Thomas Eder, der die "edition" betreut, zumal Zauners Schreiben der Abgeschlossenheit stets entgegenarbeitet. Die Form der Sammlung zeigt, wie kompakt dieses Schreibwerk ist (das würde auch der Rückblick auf das ganze Dezennium bestätigen). Es spricht sehr für die Kraft des Zaunerschen OEuvres, daß dieses mitunter monomanisch wirkende Sprachunternehmen niemals in Monotonie verfällt.
Zauners Prosa zeigt sich bildhafter als in bisherigen Arbeiten, was schon in der Tatsache wurzelt, daß Bildhaftigkeit ein Leitmotiv abgibt: Wahrnehmungsprozesse und Abbildungsvorgänge werden durch das Sprachwerk aus (vornehmlich) Hauptsatzreihen getrieben. Das geschieht niemals auf philosophisch-reflektierende Art, Zauner geht vielmehr in die Begriffe hinein, stellt sie dar
und aus, dreht sie vor einem Spiegel hin und her ("Spiegel" ist einer der häufigsten Begriffe des Bandes: Die Bildhaftigkeit
bestimmt die Wortauswahl, vieles dreht sich auch um Kamera und Perspektive.) In dieser rotierenden Selbstbespiegelung kann
sich natürlich kein "richtiges" Ich konstituieren, das Ich ("ich so sagt man") bleibt eine verschiebbare Einheit auf Zauners
Sprachvektoren. Innen und außen changieren, Wahrnehmungsapparat und Außenwelt können sich blitzschnell austauschen
und bilden die Negativform des anderen. Dabei wechseln die Wörter in den einfach strukturierten Sätzen häufig bloß ihre Plätze. Mit seiner Aussagesatzmaschine schreibt der Dichter mit gleichbleibender, großer Exaktheit knapp an gewohnter Semantik vorbei. Was für sich genommen surreal oder wie Nonsensprosa wirken mag ("das messer ist eine beobachterlücke und klebt im brei"), gewinnt innerhalb des Textganzen eine geradezu empirische Dimension der Selbst- und Fremdwahrnehmung. In der Dichte dieser Prosa werden neue Zusammenhänge generiert, die dem Verstehen von Identitätsbildung und Denkvorgängen dienlicher sein könnten als manche theorieschwere Abhandlung. Der Spaß, der in den Zeilen steckt, tut dem keinen Abbruch. Bei allem Fürwitz liefert sich Zauner aber auch den Schattenseiten der Sprache aus; man entkommt der Sprache nicht, ist ihr ausgeliefert, bei Zauner ätzt und stinkt sie mitunter ("der gestank der sprache tritt auf."). Und der Sprachschmutz ist hartnäckig, wie der Dichter in Frankreich bestätigt fand: "bis die sprache ganz zusammengekehrt ist dauert es ein paar jahre sagt man in barbès." Wolfgang Straub |
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