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Franz Kafka
Historisch-Kritische Ausgabe
Mit der historisch-kritischen Neuedition sämtlicher Schriften von Franz Kafka hat der Stroemfeld Verlag Anfang 1995 begonnen, unmittelbar nach dem Erlöschen der Copyright-Frist, siebzig Jahre nach dem Tod des Autors. Nach einem eigenen Einleitungsband, der neben einer ausführlichen Begründung dieser neuen Edition die Handschriften-Faksimiles des "Dom"-Kapitels aus dem "Process" und - exemplarisch für die Textdarstellung von Drucken - die Erzählung "Das Urteil" enthält, ist nun als erstes großes Konvolut "Der Process" erschienen. Kafka schrieb von August 1914 bis Januar 1915 an diesem Fragment gebliebenen Roman. Der Text war handschriftlich in Schulheften enthalten, wie er sie auch für seine Tagebuchaufzeichnungen gerne verwendete. Kafka löste diese Hefte jedoch auf und legte die einzelnen Blätter zu Konvoluten zusammen, die jeweils ein Kapitel bzw. einen Kapitelanfang enthielten. Die einzelnen Kapitel versah er mit Umschlägen, auf denen er in Stichworten den Inhalt notierte. Die Arbeit an diesem Roman hat er auch später nicht wieder aufgenommen, sodaß keine von ihm autorisierte Ausgabe existiert.
Der Schuber dieser neuen "Process"-Edition enthält 18 Hefte,
entsprechend den einzelnen Kapiteln des Romans. Heft 1 beinhaltet neben der Entstehungsgeschichte und einer Kritik der bisherigen Editionspraxis (v. a. an Brod und Pasley) eine genaue Anleitung über den Umgang mit der Handschrift sowie die verwendeten textkritischen Zeichen.
Die Edition von Kafka's "Der Process" enthält auch eine CD-ROM. Diese digitale Version der Handschrift ist nur gemeinsam
mit der gedruckten Ausgabe erhältlich. Sie dient primär der Information, ist ein Werkzeug für die Recherche. Der vollständige Zeichenindex ermöglicht die Suche nach Wortfeldern und Begriffen. Die Herausgeber betonen jedoch ausdrücklich den Vorzug der Buchform gegenüber der Bildschirmdarstellung. Durch das digitale Medium allein sei ein Verständnis der Handschrift nicht möglich. Vielmehr bedarf es der Rückkoppelung mit dem Buch, da "die Diktatur der in die Bildschirmtexte gesetzten Links, ihr verlockendes 'Immerfort-weg-von-hier'" die Assoziationskraft zerstöre. Mit dieser neuen originalgetreuen Edition hat der / die an Kafka Interessierte den Text des Romans so in Händen - oder auf dem Schirm -, wie er ihn hinterlassen hat, frei von Eingriffen oder Zusätzen. Der informelle Charakter der Handschrift und die Schreibeigenheiten des Autors bleiben gewahrt. Dies mag zwar etwas gewöhnungsbedürftig sein, wird jedoch durch die Authentizität des Textes mehr als aufgewogen. Karin Fleisch |
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