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Ulrike Längle
Vermutungen über die Liebe in einem fremden Haus.
Die bisherigen Bücher Ulrike Längles zeichneten sich durch ihre lakonische
Darstellung grotesker Seiten des modernen Lebens aus, durch eine
eigenwillige Verbindung von Witz und Trauer. Dieser Ton ist auch im neuen Buch vernehmbar, vor allem in den Erinnerungen an das Universitätsmilieu, in dem Fanny, die Hauptfigur, früher gelebt hat.
Die schönen Passagen dieses langsamen, aber nie langatmigen ersten Teils schrauben die Erwartungen an den (relativ kurzen) zweiten Abschnitt des Romans hoch; aber in diesem wird dann eigentlich nur noch, geschickt, fast zu geschickt, Handlung abgewickelt. Daß die Hauptfigur hinter den alten Fotos im Ferienhaus der Familie Lundberg eine ähnlich chaotische Welt von schwierigen Beziehungen entdeckt (oder sich zusammenfantasiert) wie die, vor der sie nach Schweden geflohen ist, ist zwar witzig, ist auch eine geistreiche Infragestellung aller Träume von idyllischem Leben; aber was Fanny da an Schrecken des Familienlebens zu entdecken glaubt - unter anderem einen Inzest, der aber dann, wenn es ihn überhaupt gegeben hat, doch nur ein scheinbarer gewesen ist -, was sie da herausgefunden zu haben meint, ist zu grell. Auch die, an sich sehr diskrete, Andeutung einer möglichen glücklichen Zukunft für Fanny paßt weder zu den - imaginierten? - Leichen unter den Lundberg'schen Teppichen noch zur sensiblen Erfahrung eines fremden Landes im ersten Teil des Romans. Dieses Ungleichgewicht zwischen handlungsarmem, aber erfahrungsreichem ersten und handlungsreichem, aber erfahrungsarmem zweiten Teil des Romans mag damit zu tun haben, daß die Autorin, die sich klassischen Formen des Erzählens verpflichtet fühlt, zu einer Abrundung kommen will. Die Stärke des Romans sind aber nicht die Vermutungen über die Liebe, sondern das Ritual der Inbesitznahme eines fremden Hauses in einem fremden Land. Mit dessen Darstellung ist Ulrike Längle in einem bisher für sie fremden Land des Erzählens heimisch geworden. Sigurd Paul Scheichl |
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