| LESEPROBE | ![]() |
| Kurt Lanthaler | |
| Napule. Ein Tschonnie-Tschenett-Roman. 220 S., geb., EUR 14.40. Innsbruck: Haymon 2002. ISBN: 3-85218-401-0.
Kaum ist der Lebenskünstler Tschonnie Tschenett, ehemaliger Matrose und LKW-Fahrer, in Neapel angelangt, geht alles drunter und drüber. Ciro, ein Kriminalinspektor in Neapel, der von seinen Bekannten ehrfurchtsvoll , 'o prufessore genannt wird, findet in seinem Büro einen geköpften Hahn. Nicht schön anzuschauen und eine mordsmäßige Sauerei (das viele Blut!), aber auch eine Drohung. Die Mafia vielleicht? Als er kurz darauf den Kofferraum seines Autos voller Mist vorfindet, stinkt die Sache zum Himmel. Irgendetwas hier in Neapel ist faul. Tschonnie, du Unglücksbringer! Wo du auftauchst, gibt es Ärger! Polizeikrawalle, Demonstrationen, ein Kreuzfahrtschiff, die Odessa, die seit Jahren beschlagnahmt im Hafen liegt, brennende Weihnachtsbäume, opulente Speisen, die Katakomben, Aberglaube, Fernseh-Magier, ein verwunschener Palazzo: Neapel gleicht einem heillosen Durcheinander. Ciro, ein frustrierter Polizist, sagt Sätze wie: Tatsächlich gibt es das große, kapitale Verbrechen nicht mehr, spätestens seit Andreotti freigesprochen, Berlusconi verjährt und der eine oder andere Faschist an der Regierung ist. Die Ordnung der Neuen Zeiten macht unsereinen überflüssig. Und: Vergeßt eines nie: Jedes Auge hat seinen blinden Fleck. Jedes.
Viel ist die Rede von den politischen Zuständen in Italien: Soll ich dir sagen, was zur Fahne dieses Landes geworden ist, längst? Der Damenstrumpf, den die Kameras sich zum Weichzeichnen überzustülpen hatten vor dem ersten TV-Auftritt ihres Herrn und Meisters. Napule besticht durch Lanthalers unnachahmlichen Sprachstil, die gekonnten Perspektivenwechsel, die genaue Kenntnis Italiens und vor allem durch das umfangreiche Glossar (über 40 Seiten!) am Ende des Buches, das nicht einfach ein Wörterverzeichnis ist und mit gescheiten Erklärungen aufwartet, sondern die Geschichte(n) fortschreibt, kunstvoll, liebevoll ausschmückt, einen Blick hinter die Kulissen zulässt.
Peter Landerl Originalbeitrag Hinweise auf weitere Rezensionen bietet unsere Online-Datenbank zum Zeitungsausschnittarchiv |
| LESEPROBE | ![]() |
| ||||
| Weiße Schrift auf weißem Grund beim Ausdrucken? Klicken Sie hier ---^ | ||||