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Leseprobe
Stellenweise ist es doch sehr dunkel. Wenn bloß nicht der alte Grabenbauer, der immer die Grenzsteine
versetzt hat und jetzt in der Ewigkeit dafür in glühenden Pantoffel Sensen dengeln muß, auf den Einfall
kommt, jetzt zu erscheinen!?
Lieber Primariusdoktor, wenn die Engel und die Heiligen alle schlafen, dann steh du mir bei! - - -. Du hast
den mächtigsten Zauber der Welt und du weißt alles.
Ja, auch das mit den Zöpfen hat er gewußt. Und wahrscheinlich freut er sich schon darauf. Er wird sie wohl
brauchen, weil sein Mädchen morgen vielleicht Namenstag hat. Und deshalb ist er am Abend noch schnell
gekommen und hat mich verwandelt. Meine Augen kann er auch haben und mein Herz und überhaupt alles, was er
brauchen kann. Wenn ich dann gar nichts mehr hab, wird er sagen: "Mein armes Kind." Und vielleicht legt er
mir die Hände auf das Gesicht? Eigentlich könnte ich ja ein bißchen laufen ...
Aufeinmal ist alles Böswillige wieder da. Im Kleid, ja sogar in den Zöpfen. Alles verschlingt sich, und mit
einem leichten Aufklatschen, aber ohne den kleinsten Schrei, fällt es auf den dunklen, bösartig glatten
Boden des Ganges hin. (S. 50f.)
© 2000, Otto Müller, Salzburg, Wien.
Publikation mit freundlicher Genehmigung des Verlags. |