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| Ernst Molden | |
| Austreiben Vampir-Roman. Wien, München: Deuticke, 1999. 238 S., geb.; öS 248.-. ISBN 3-216-30468-X. "Dieser Roman wird Sie im Schlaf verfolgen!" - Selten einmal hat eine Werbebotschaft so die Wahrheit getroffen wie diese Warnung vor Ernst Moldens Roman "Austreiben". Die Schrift des Umschlages fluoresziert, so daß der Roman tatsächlich leuchtet, wenn schon alle Lichter in Bettnähe ausgegangen sind.
Ähnlich wie beim Kriminalroman der Gegenwart dient auch beim Vampir-Roman das Genre in erster Linie dazu, mit Regelverstößen und Übertreibungen eine äußerst witzig-realistische Fassung des Alltags vorzustellen.
Der Roman läuft in siebenundzwanzig Sequenzen seinem fulminanten Ende zu, einer Austreibung mit Hitze und Koller, Jammer und Gebet, Fliegen und Gelsen. Kernzone des Romans ist die verslumte Gegend der Lobau, wo sich Äste und Sumpf kreuzen. Die Anspielungen auf pseudosakrale Rituale der Grünen in der Au sind mannigfaltig. Und generell gilt die Botschaft, daß Transdanubien mit Transzendenz und "Gaga" zu tun hat. "Austreiben" liest sich als schwüles Sittenbild eines bedrückenden Sommers 1999, wo man phasenweise wirklich Angst haben mußte, die Weltgeschichte könnte am Stadtrand von Wien zu einem Gelsenhaufen verklumpen und im Irrsinn steckenbleiben. Und wie alle Wörter, die sich mit dem Trieb beschäftigen, ist "Austreiben" sehr hinterlistig gewählt, da die Faxen, die da zu Tage treten (austreiben) auch gleich wieder ausgetrieben werden - ein sommerliches Nullsummenspiel also.
Ernst Molden erzählt für den rasanten Leser in fetzig-geschwinder Weise und hat andererseits für den etwas langsameren Leser immer wieder Pralinen des Erzählens eingebaut, wenn etwa jeder im Sumpf "seine innere Kröte pflegt" (S. 58), oder wenn "die Turbine noch eine Weile auf dem längst Leblosen herumkaut und dann gleichsam erstaunt stehen bleibt" (S. 164). Helmuth Schönauer |
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