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| Petra Nagenkögel - "Dahinter der Osten" | |
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Leseprobe
Lena geht durch die Häuserreihen der Arbeitersiedlung, sie versucht so zu gehen, als würde sie oft hierherkommen und jemanden besuchen, den sie gut kennt. Sie grüßt einen Mann, der seinen Hund ausführt, an einen Baumstumpf im Wiesenstreifen vor dem Haus. Und der alle paar Meter stehen bleibt, den Hund an der Leine heranzieht zu sich und etwas sagt zu ihm. Und dann sich hinunterbeugt, als müßte er hören, was der Hund dazu meint. Der Mann grüßt zurück, schaut sie an dabei, er scheint zu überlegen, ob er sie kennt, und tut dann so, als ob. Seine Stimme klingt heiser und brüchig, sie wirkt älter als sein Gesicht. Lena möchte ein Gespräch mit ihm anfangen, möchte ihn fragen, ob er alleine hier wohnt und wie lange schon, aber sie traut sich nicht. Sie weiß nicht, ob sie selber mehr zu sagen oder geben hätte als der Hund. 13
Ob der Rand in die Stadt hineindrängt oder die Stadt den Rand ins Land hinausschiebt, ist an den Häusern der Vorstadt nicht zu sehen. Sie sind so gerade, wie sie sein müssen, um nicht zusammenzufallen, und so unbeweglich wie alles, was aus Mauern ist. Aber etwas muß es geben, denkt Lena, das die Ränder anders macht. Das vielleicht zu tun hat mit den glücklosen Augen der Menschen, mit ihrem Blick, der nicht weiter reicht als bis zum nächsten Tag.
© 2002, Residenz Verlag, Salzburg. |
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