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| Günther Nenning | |
| Schutzengel Jeder braucht einen, fast jeder hat einen. Wien, München: Christian Brandstätter, 1999. 63 S., geb.; öS 291.-. ISBN 3-85447-821-6.
"Gelt, das kann nicht jeder, in der 'KRONE' und im 'profil' zu schreiben!" sagte Günther Nenning einmal in seiner unnachahmlich-volksaufklärerischen Schlichtheit während eines Interviews. Eine Spätfolge dieses Schreib-Spagats besteht darin, daß Nennings Bücher im gängigen Literatubetrieb kaum einzuordnen sind.
Als Ausgangspunkt für seine Reflexionen und Gedankenspiralen dienen Günther Nenning verschiedene Schutzengelbildchen, die im Band auch in voller "Kitsch-Blüte" abgedruckt sind. Ursprünglich wurden diese Bildchen für besonderes Bravsein, Wallfahrten oder Ministrieren verteilt. Bei genauerem Betrachten zeigen sie allerhand Nützlichkeiten für den Lebensschutz.
So hat etwa Peter Pongratz' Schutzengel Sandalen an (S. 15), während die Engel üblicherweise den Boden mit den Füßen gar nicht berühren. An einer anderen Stelle gießt ein Engel das frischbestellte Feld mit einer handlichen Gießkanne (S. 43), und Günther Nenning fordert mit der Bildunterschrift die EU-Kommissäre auf, ähnlich sorgfältig auf die Bauern zu schauen. Die Hauptstationen des Streifzuges durch das Engelreich sind jeweils mit einem markanten Spruch übertitelt. "Bist katholisch?", was so viel heißt wie "Bis deppert?", ist der erste Spruch, der im Zusammenhang mit den Schutzengeln fällt. Damit diese nämlich ihre Aufgabe erfüllen können, müssen sie klug sein, das heißt sie dürfen nicht katholisch sein.
Ein üppiges Kapitel befaßt sich mit dem sogenannten geilen Engel, der in sexuellen Turbulenzen vor fast allem außer vor Geschlechtskrankheiten schützen kann. Deshalb taucht der wollüstige Schutzengel auch im Barock flächendeckend in unseren Landen auf. Das "Schutzengel"-Buch zeigt neben dem recherchierenden auch den literarischen Nenning auf dem Höhepunkt. Nennings Literatur ist gekennzeichnet durch Selbstironie (der Verlag sei beim Textumfang sehr genau), Verschmelzung verschiedener Sprachebenen und Sprachanlässe (Bodyguard des Himmels) und Griffigkeit der Bilder (Nenning greift immer mit beiden Händen zu).
Daß diese Art, stündlich der Zeit den Puls zu messen, auch manchmal daneben gehen kann, zeigt die Stelle, wo Nenning noch eine Ode auf die Friedfertigkeit der NATO singt, nicht wissend, daß diese sich zum 50-Jahr-Jubiläum selbst den schon lange gewünschten Krieg schenken würde. Helmuth Schönauer |
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