|
Gernot Ragger - "der wahnsinnliche"
Leseprobe
wir kriechen hinein in diese höhle sachte und
langsam weiten sie aus bis wir platz genug
haben und die decke an ihren rändern nichts
von ihrer wärme preisgegeben hat
wir kriechen hinein und kauern uns aneinander
warten ab was passiert was die geschichte für
uns vorgesehen hat
versiegeln das aufgeschlagene eck und schalten
das licht ein das nur nacht ist
kein schwarz sondern ein dunkles licht durch
das man nur mit geschlossenen augen sehen
kann
es verbrennt uns kurz die augen hitze steigt auf
und das bett mit der decke darauf wird zum
ofenwarmen brotlaib der uns warm hält
das warme weiche brot hat sich unseren körpern
angepaßt
wir lösen uns aus unserer umklammerung und
verschaffen uns bissen um bissen mehr platz
wir essen uns durch die innereien des laibes
stecken uns happen zu arbeiten mit den händen
weiter wenn so viel platz geschaffen wurde daß
wir uns drehen können
keine zeit zählt und wir stoßen an die kruste
die sich wie ein panzer um unsere höhle gelegt hat
(S. 21)
(c) 1997, der wolf, Wolfsberg.
Publikation mit freundlicher Genehmigung des Verlags. |