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| Kathrin Röggla | |
| Irres Wetter Salzburg, Wien: Residenz, 2000. 168 S., geb.; öS 278.-. ISBN 3-7017-1171-2.
Kathrin Röggla rennt. Kathrin Rögglas "Irres Wetter" ist voll von Zitaten und Anklängen an vergangene Moden und Zeitströmungen, ja das Buch lebt davon. Die Autorin wirft scheinbar wahllos Wissen und Halbwissen auf die Seiten. Sie formuliert: "von geräuschloser einfachheit durchdrungen, so beschreibt marx feuerbachs hegelkritik" und setzt dazu: "das kann man womöglich auch anderswo entdecken, nicht jedoch im röntgenpalast, da rauscht alles. was solls, wir gehen trotzdem hinauf." Im Vorbeigehen erledigt sie die großen Glaubenssätze unseres Jahrhunderts und schmeißt sie auf den Sprachmüll. Wie schon in ihrem ersten Buch "Niemand lacht rückwärts" kollert die Erbengeneration ihres Wegs und wechselt ständig die Richtung; was heute zählt, landet morgen im Abseits. Die Metaphern blühen und verblühen. Die Hauptstadt Berlin ist ein gutes Pflaster für Rögglas Poetry Slam. Nirgendwo sonst in Europa treffen so viele Gegensätze aufeinander, leben die Menschen nebeneinander in den unterschiedlichsten Epochen: da strotzen die Glaspaläste des 21. Jahrhunderts, noch seltsam unbeseelt, und erzählen von Hauptstadtwahn und Hauptstadtgröße, da drängen sich die Alt-68er-WGs und die Punkabsteigen ins "so 36" und träumen von der seligen Insel Westberlin, dort blüht eine neue Kunstschickeria im wiedervereinten Prenzlauer Berg, daneben gibt es immer noch die Endstation Neukölln, und da ist das Berliner Um- und Brachland, die Mark Brandenburg, wo selbst zehn Jahre nach der Wende kein Aufbruch in die Gegenwart spürbar wird. Seismographisch lotet die junge, in Salzburg geborene Autorin das Menschenmaterial der Stadt aus, in der sie seit einigen Jahren lebt, und verwandelt es in ihre - zu recht hochgelobte - assoziative Prosa. Rögglas neuem Buch gelingt es jedoch nicht, den Spannungsbogen durchzuhalten. Szene für Szene läßt die Konzentration nach, verliert ihr Sprachtalent über den von ihr aufgehäuften - wenn auch ironisch gebrochenen - klischeehaften Alltagssujets an Kraft. Die Figuren leiden an Unschärfe - irgendwann sehnt man sich schlicht nach Inhalten.
Der Text droht schließlich auseinanderzudriften, die Sprachkreisel
drehen sich in selbstverliebter Eigennützigkeit um "kleingedrucktes". Anne M. Zauner |
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