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| Robert Schindel | |
| Immernie Gedichte vom Moos der Neunzigerhöhlen. Frankfurt / Main: Suhrkamp, 2000. 99 S., brosch.; DM 15,90. ISBN 3-518-12155-3.
Während er in der Felswand
von anderen Felswänden zurückgewiesen
Wenn ich denkt er bevor die Dämmerung
Robert Schindel lässt sich Zeit. Mehr als fünf Jahre sind seit seinem
letzten Buch vergangen, einer Sammlung von Reden, Aufsätzen und
Vorträgen aus elf Jahren mit dem Titel-Paradoxon "Gott schütz uns vor
den guten Menschen" (1995). Seine letzte literarische Arbeit, der
umstrittene Erzählband "Die Nacht der Harlekine" (1994), liegt sogar
sechs Jahre zurück. Die literarische Existenz Schindels ist nolens volens in vor und nach "Gebürtig" gespalten. Vor seinem heftig diskutierten Roman war Schindel nur den Lyrikliebhabern ein Begriff. Einige wenige Feuilletonisten und Leser stritten sich bei "Ohneland", "Geier sind pünktliche Tiere", "Im Herzen die Krätze" und "Ein Feuerchen im Hintennach" um die Qualität der Schindelschen Sprache - den einen ein schmerzhafter Dorn ins lyrische Herz, den anderen ein noch ungehörter Ton, eine neue Sprach- und Bildwelt.
Auch in "Immernie" wagt Robert Schindel die Gratwanderung von klassisch
lyrischer Form und Sprache, gebrochen durch klangvolle Wortprägungen und
Anleihen aus dem Wiener Dialekt. So reimt er "Ein Nierending, ein
blondes Schüttelhaar / Und ich bin fürs Gelinde und Gelulle da" und
endet das Gedicht "Nullsucht 12" auf Hmbsch.
Holodoroh ein Sineschmerz Wieder erzählen Schindels Gedichte von seiner überschwenglich-sinnlichen Lust am Leben, wenn sich auch dieses Mal das Themenpaar Tod und Vergänglichkeit stärker behauptet als Liebe und Sehnsucht. Melancholische Gedanken und Bilder, dunklere als je zuvor, drängen sich in Schindels Lyrik. Die Gedichtreihen heißen nicht mehr "Lieblieder" oder "Sehnlieder" sondern "Nullsucht" und "Immernie".
Diese Mürrischkeit kratzt der eigenen Beleidigtheit Der Rastlose ist etwas müder geworden, zynischer. Die Liebe schmeckt fader. Kriege toben. Immer noch zieht er durch die Welt, doch sie ist grauer geworden.
Doch ganz der Blick von Cannaregio her und immerdar Im letzten Gedicht in den letzten Zeilen verabschiedet sich der Autor jedoch vom Leser mit dem hoffnungsvoll trotzigen:
Singen wir Anne M. Zauner |
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