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| ruth weiss | |
| full circle - ein kreis vollendet sich. full circle - ein kreis vollendet sich. englisch / deutsch, übers. von Christian Loidl. Wien: edition exil, 2002. 188 S., brosch, EUR 19,50. Ein Kreis vollendet sich, so der deutsche Titel des zweisprachigen Buches ("full circle") von der und über die Beat-Poetin, Jazz-Performerin und Filmemacherin ruth weiss. Der Titel ist buchstäblich zu nehmen. Ein Kreis vollendet sich für die über 70-jährige, weil sie Wien, die Stadt ihrer Kindheit, gerade wiederentdeckt. 1998 war sie nach über 60 Jahren auf Einladung der "Schule für Dichtung in Wien" wieder an den Plätzen ihrer Kindheit. 1928 in Berlin als Kind österreichisch-jüdischer Eltern geboren, mußte sie mit ihrer Familie 1933 vor den Nazis nach Wien fliehen, wo ihre Großmutter im 9. Bezirk eine kleine Pension hatte. 1938, mit einem der letzten Züge, die ausreisen durften, brach sie mit ihrer Familie in die USA auf. Ende der 40er Jahre tauchte die junge ruth weiss in die Bohemian-Kreise in Chicago ein. Ihr erster Auftritt - sie trägt ihre Poesie zu Jazz vor - findet 1949 statt. Als die Beat-Ära beginnt, ist ruth weiss plötzlich mitten drin, der San Francisco Chronicle nannte sie einmal "Goddess of the Beat-Generation". Mit Jack Kerouac, den sie 1953 kennenlernte, war sie eng befreundet: "Er kam um drei, vier in der Früh vorbei, wir schrieben die ganze Nacht Haikus". Kerouac soll gesagt haben: "Du schreibst bessere Haikus als ich". Das Beat-Credo, beim Schreiben ungefiltert zu produzieren, hat Allen Ginsberg mit einer Zen-Budhhismus-Philosophie paraphrasiert: "First thought, best thought". Über die spannende Beat Generation erfährt man in "full circle" leider recht wenig - da sollte man in Brenda Knights "Women of the Beat Generation" nachlesen, das ein ausführliches Kapitel über ruth weiss enthält. "full circle" ist eine biografische Stationenreise von Wien nach Wien, vom jungen Mädchen zur alten Dame, die nach wie vor jede Menge Energie hat, wie man bei ihren Auftritten, zuletzt im Amerlinghaus, merkt. Der biografische Spaziergang endet in Kalifornen, wo Weiss seit einiger Zeit in einem Haus am Land lebt, ohne E-mail und ohne Fax. Drei Texte sind im Buch enthalten, zu Beginn ein fiktiver Dialog aus dem Jahr 1999 mit einer Prometheus-Statue, die ruth weiss schon als Kind beeindruckt hat. Dann folgen neue und alte Texte in "lyrischer Prosa", was bedeutet, daß eine erzählerische Haltung in eine recht offene assoziative Form gegossen ist. Ihre ganze Kraft entwickeln diese Zeilen natürlich erst, wenn ruth weiss sie mit ihrer tiefen, dunklen Stimme auf der Bühne zu Jazz vorträgt. Wenn sie "Jazz mit Worten" macht. Beim Lesen überwiegt ein wenig der biografische Informationswert. Ein ausführliches Interview beleuchtet die wichtigsten Lebensstationen noch einmal detailliert. Übersetzt hat der Autor Christian Loidl noch kurz vor seinem überraschenden Tod, als er am 16. Dezember 2001 aus dem Fenster seiner Wohnung stürzte.
Karin Cerny Originalbeitrag Hinweise auf weitere Rezensionen bietet unsere Online-Datenbank zum Zeitungsausschnittarchiv |
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