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| Roman Santeler | |
| Anno Domini MM Gedichte. Bozen: Raetia, 2000. 66 S., geb.; öS 161.-. ISBN 88-7283-140-7. Die Kids der Gegenwart halten "MM" sicher für eine Software-Marke oder schmelzsichere Bonbons, mit dem Designer-Zeichen "MM" spielt Roman Santeler auf seine Art auf das Millennium an. Schon in dieser Überlegung zum Titel steckt ein Stück der poetischen Welt des Autors, einerseits ist er humanistisch ausgebildet und mit den Mythen der Antike vertraut, andererseits ist er Erzieher von Jugendlichen, die in einer Welt elektronischer Meßschranken und kompletter Evaluation heranwachsen. Diese Koordinaten muß man sich bei den Gedichten Roman Santelers hinzudenken, wenn im Text überraschend der Kontext gewechselt wird.
In den fünfundfünfzig meist sehr knapp gehaltenen Gedichten wird immer wieder ein Riß manifest, der scheinbar mitten durch die Zeit geht. Aber es sind nicht die drei Nullen, die das Millennium so aufregend machen, es ist die Wahrnehmung, die oft mitten im Satz die Richtung der Witterung ändert.
Nach einer Ouvertüre über die vier Jahreszeiten, die letztlich immer wieder auf eine abgerundete, zeitlose Witterung abzielen, sind die Gedichte in vier Kapitel gegliedert: In einem sehr anregenden Vorwort zum Lyrik-Band stellt Walter Methlagl vier verschiedene Portale vor, durch die man das Buch lesend betreten könnte. So lautet etwa die dritte Empfehlung, auf die lyrische Sprache zu achten: "Der lyrische Sprecher: ein Nomade, ein Zigeuner, ein Bergmann, ein Bootsmann, Odysseus - jedenfalls immer in Bewegung, immer unterwegs, vieles bewegend. Die Sprache: Bewegung aus sich selbst, wie Fäden, die sich aus sich selbst ins Ungewisse entspinnen. Geht man auf ihnen - Schritt für Schritt, Wort für Wort, ein Seiltanz - siehe: sie tragen, über das ganze Netz hin, das dieser Band ist." (S. 5)
Roman Santeler hängt seine Gedichte wie leichte Wolle auf die Schnittstelle des Millenniums, aber mit der Ruhe ist es bald vorbei: "da sitz ich zur Siesta / im schattigen Garten / träume und verschwende / meine Gedanken an dich / die Kinder stürmen hinaus / der Bauer holt eilig / die Heuernte ein / der Nordwind wird Regen bringen" (S. 8) Helmuth Schönauer |
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