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| Sibylle Schleicher | |
| Das schneeverbrannte Dorf Roman. Innsbruck: Haymon, 2000. 251 S., geb.; öS 291.-. ISBN 3-85218-322-7.
Seit Gert Jonke stellen wir uns das Dorf meist "geometrisch" vor, seit Josef Winkler "kruzifixförmig", und seit Sibylle Schleicher ist das Dorf vor allem "fiebrig". Die Autorin kommt mit dem Mindestmaß an Personal aus. Eine Erzählerin betritt nach Jahren das aufgegebene Dorf, wo bloß noch der Außenseiter Brandner das Dorf als Einmannbetrieb am Leben und in Erinnerung hält. Alle Probleme und Schwierigkeiten, alle Tagesabläufe und die Fruchtfolge der Jahreszeiten werden auf den einen einzigen Dorfprotagonisten projeziert, was dem Roman eine unheimliche Strenge und Schwere gibt. Wenn schon der Dorfroman dazu dient, das Schicksal von zusammengepferchten und von der weiten Welt abgeschnittenen Personen zu zeigen, so läßt sich erahnen, wie ungeheuerlich eine Ein-Mann-Dorfgeschichte auf der Erzählerin lastet. Der Mann ist grantig, senil, abgeschlafft, wütend und unberechenbar, was immer die Erzählerin anfaßt oder ins Auge faßt, wird zu einem Desaster. So müssen die Lebensmittel der geflohenen Bevölkerung in einer genauen Reihenfolge aufgezehrt werden, wochenlang gibt es Suppen in allen Lagen, ehe andere Menüs ins Auge gefaßt werden können.
Alles ist Erinnerung, die Gerätschaften, die vorportionierten Speisen, die Bräuche und ihre Wegweiser im Alltag.
Der Roman nimmt das schwermütige Genre des Einsiedler-Dorfromans durchaus ernst und versetzt es mit Schwaden der Vertreibungs-Geschichte und Zutaten des Katastrophenromans. Helmuth Schönauer |
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