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| Christian Steinbacher | |
| Für die Früchtchen Ein Plädoyer. Innsbruck: Haymon, 2000. 127 S., geb.; öS 198.-. ISBN 3-85218-326-X.
Christian Steinbachers Prosa ist selbstverständlich alles andere als "prosaisch", sein Plädoyer, wie er den Textstrang nennt, ist durchaus gefühlsvoll, romantisch und transformierend angelegt. Die acht Textabschnitte verweisen immer wieder auf die Romantik oder ihre Interpreten. So gibt es etwa einen "Landschaftszeh mit Lenau", der durchaus logisch wirkt, wenn er in einem Stiefel, das Italien darstellt, eingepackt ist. "Die allmähliche Verfertigung der Zuneigung beim Basteln einer Sache" spielt auf jenen Aufsatz Kleists an, in dem das Zustandekommen der Gedanken beschrieben ist.
"Balkon mit Zimmer, Auflauf und Novalis" nennt sich ein Text, der den Meister der blauen Blume würdigt. Der Meister des "Knapp-Daneben-Seins", wie der Autor im Klappentext verschmitzt genannt wird, stellt immer wieder Gebrauchsanweisungen zur Verfügung, wie man gewisse Sequenzen lesen könnte. Das Knapp-Daneben gilt ursprünglich nur dem Ei, das sich beim Frühstück nicht auf Anhieb kappen läßt.(S. 72) Und wie es für das Kappen des Eies oft mehrere Versuche braucht, die sogar mit einer völligen Zertrümmerung enden können, gilt es auch, gegenüber dem Text das Kappmesser richtig anzusetzen.
Manchmal tauchen Stellen auf, die man als Dreizeiler-Konzept für den gesamten Text nehmen kann. Christian Steinbacher läßt durchaus mit sich reden, er operiert an offenem Text-Herzen, und wenn jemand schlecht davongekommen ist, kriegt er eine zweite Chance. Die dargebotene Textfassung ist naturgemäß gültig und besiegelt, aber der Leser hat die Option, sich mit den Früchtchen zu verbünden und einen Textaufstand anzuzetteln.
Das "Früchtchen-Plädoyer" ist ein Appell, den Alltag zwischendurch zu poetisieren, vielleicht sogar auf die romantische Art. Der Plot der Geschichten ist der Alltag persönlich, und jeder Leser wird sich in der einen oder anderen Form als Hauptdarsteller erkennen. Helmuth Schönauer |
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