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| Netzwerk Memoria (Hrsg.) | |
| Stifter reloaded. Ein Dutzend bunter Steine. Wien: Picus Verlag, 2005. 192 S., geb., Eur 16,90. ISBN 3-85452-486-2.
Oberösterreich gibt sich alle Mühe, den 200. Geburtstag "seines" großen Sohnes Adalbert Stifter zu feiern. Ausstellungen, Seminare und Vorträge in beinahe unübersichtlicher Hülle und Fülle wurden organisiert, Schriftsteller und Germanisten fördern immer neue Details aus seinem Leben und Werk zu Tage und Politiker erzählen Stifter-Anekdoten so authentisch, als hätten sie ihn persönlich gekannt. "Netzwerk Memoria", ein Erinnerungsprojekt der Autoren Rudolf Habringer, Walter Kohl und Andreas Weber, das sich um die Sammlung von Erinnerungsmaterial aus dem 20. Jahrhundert und um österreichisch-tschechischen Kulturaustausch kümmert, hat die vorliegende Sammlung herausgegeben. Sechs oberösterreichische und sechs tschechische Autoren wurden gebeten, sich mit den "Bunten Steinen" ("Granit", "Kalkstein", "Turmalin", "Bergkristall", "Katzensilber" und "Bergmilch") von Stifter auseinanderzusetzen. Leopold Federmair leitet das Buch souverän-konfus ein, dann beginnen die sechs oberösterreichisch-tschechischen Duelle, eingeleitet jeweils von kurzen Inhaltsangaben der Stifterschen Originale, die der Germanist Christian Schacherreiter besorgt hat.
"Stifter reloaded": Das klingt fast zu modern, klingt danach, die alte schulmeisterliche Schachtel in eine neue "zeitgemäße" Form zu pressen, nach verzweifelten und zwangsläufig zum Scheitern verurteilten Wiederbelebungsversuchen. Aber nichts von alldem. Die Lektüre von "Stifter reloaded" - so viel sei vorweggenommen - ist anregend und unterhaltsam.
Will man generalisieren, so kann man feststellen, dass die Österreicher gerne an der Person Stifter rütteln, eher das Negative als das Positive sehen, ihn sehr frei und spielerisch variieren, während die tschechische Seite näher an Stifters Figuren und Handlungsfäden arbeitet und ein viel größeres Verständnis für die in den "Bunten Steinen" gezeigten sozialen Probleme aufbringt. Es scheint, als wäre Stifter den Tschechen näher als den Österreichern. Eben diese differierenden Wahrnehmungen und Erzählweisen machen den Reiz der Lektüre aus und markieren die ungleichen literarischen Entwicklungen in Österreich und Tschechien.
Peter Landerl Originalbeitrag Hinweise auf weitere Rezensionen bietet unsere Online-Datenbank zum Zeitungsausschnittarchiv. |
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