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Leseprobe
Und dann war ich in Triest angelangt. Am Hafen.
Saß auf der Mole, meinen Seesack zwischen den Beinen, schmiß Steine in
das brackige Wasser und hörte auf das leise Glucksen, mit dem sie
verschwanden, schaute dem Abend beim Vergehen zu und versuchte zu zählen,
der wievielte Hafen meines Lebens dies war.
Der zweiundzwanzigste, errechnete ich, und es stiegen Bilder vor mir
auf, von grauen und von bunten Städten, von rostenden Dampfern und von
Landgängen, die nicht ins Landesinnere geführt hatten. Und immer wieder:
Leinen los, ablegen, auslaufen.
Es lief kein Schiff mehr aus an diesem Abend. Und keines legte an. Es
war dunkel, als ich aufstand und meinen Seesack schulterte. (S. 85)
Sicher, die albanischen Bilder in meiner Tasche mochten ihr Geld wert sein.
Ich hätte den Berliner Freund Schedels etwas unter Druck setzen können.
Kohle gegen Kassetten, Deutschmark für Kriegsbilder. Oder was auch immer.
Aber. Aber mir war nicht danach. Alles, was ich heute schon gedacht hatte,
lief auf den einen Punkt hinaus: Damit will der Tschenett nichts mehr zu
tun haben. Er geht auch auf kein Schiff mehr, das sich durch Leiber pflügt.
Ich wollte nichts mehr mit dieser ganzen albandischen Geschichte zu tun
haben. Nichts mehr mit diesem Wahnsinn. Nichts mehr mit der allgemeinen
Abzocke und nichts mehr mit der Paranoia. So etwas entsprach ganz einfach
nicht meinen bescheidenen Fähigkeiten. Meinen noch bescheideneren Tugenden
sowieso nicht.
Vergiß Albanien, vergiß Colorado, und vergiß den Goldrausch, dachte ich,
das ist nichts für dich. Deine Reflexe sind zu langsam. Und zu weich. (S. 158)
(c) 1998, Haymon, Innsbruck.
Publikation mit freundlicher Genehmigung des Verlags. |