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| Peter Veit | |
| Geschichten vom Alphahund Omega Eine Fibel. Klagenfurt, Wien: Ritter, 1998. 295 S., brosch.; öS 260.-. ISBN 3-85415-233-7. Der Titel spannt den Bogen weit: Von Alpha bis Omega. Die ganze Bandbreite - wie in einem Lexikon, das bei A beginnt und bei Z endet. Nicht ohne Grund nennt Peter Veit sein Buch eine Fibel. Folgt man der ursprünglichen Bedeutung des Wortes (fibula = Klammer oder Spange), in prähistorischer Zeit eine Art Sicherheitsnadel, um Gewänder zusammenzuhalten, wird auch die Arbeitsweise Veits nachvollziehbar. Rund 4.000 Bücher hat der Autor verarbeitet, indem er die Anfangs- und Endsätze entweder im Originalton oder verfremdet aneinandergereiht hat. Entstanden sind gänzlich disparate Textschichten, die ähnlich den Wäschestücken mit der Nadel nun vom Buchrücken zusammengehalten werden. Peter Veit setzt in seinem Text zwei völlig gegensätzliche Pole in ein Spannungsverhältnis zueinander. Auf der einen Seite steht der Versuch einer groß angelegten Universalgeschichte der Bücher. Insofern ist Veits Text eine Art Bibliothek, vollgefüllt mit Auszügen aus jahrhundertealter Schrifttradition - im Namenregister der zitierten Autoren finden sich über tausend Autoren aus den verschiedensten Epochen, Gattungen und Bereichen, Philosophie neben Drama, Filmemacher neben MalerN, Antike neben Moderne. Eine Klammer, die zumindest tendenziell alles und jeden erfaßt. Den Gegenpol dazu bildet die völlige Zerfaserung und Zersplitterung von Sinneinheiten. Den großen Zusammenhang gibt es nicht, zumindest nicht auf erzählerischer Ebene. Geschichten beginnen und enden abrupt. Kaum hat man sich wo festgelesen, hört der Text auf, fängt was völlig anderes an.
Peter Veit schreibt im Pressetext über sein Buch von einem "schlendern
durch die unendliche variabilität aller satz-inhalte" und träumt den Traum
des Autors als DJ, der Material sampelt und Stile mixt, um einen eigenen
Sound zu produzieren. Am besten gelingt ihm dieser Sound in den einzelnen
Kapitelüberschriften etwa durch minimale Bedeutungsverschiebungen ("über
die Zerstreutheit beim fremdsein", S. 118) oder durch gewollte "Verschreiber" ("star wars - krieg der welpen", S. 103). In diesen Fällen ist eben auch das
Ausgangsmaterial noch präsent. Über lange Strecken aber bleibt der Text
mühevoll eingescanntes Stückwerk. Kraut und Rüben - ohne erkenntlichen Witz
oder eigenen Sound, bloß von einem interessanten Grundgedanken
zusammengehalten, Brauchbar als schöne Sammlung, aus der sich der Leser das
eine oder andere herauspicken kann.
Schade ist auch, daß Veit die zweite Bedeutung von "Fibel" nicht
wirklich auszufüllen imstande ist: ein ABC-Buch, ein Leselernbuch für
Kinder, das schlau und verspielt dem kindlichen Denken angepaßt ist, das
sich bemüht, anschaulich und lebendig in seinen Texten zu sein; das
Altbekanntes wie neu erscheinen läßt. Karin Cerny |
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