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| Alois Vogel | |
| Zeitmäander. Ausgewählte Gedichte 1964-1997. Mit einem Nachwort von Wendelin Schmidt-Dengler, hrsg. v. Helmut Peschina. Wien: Deuticke, 1998. 252 S., geb.; öS 248.-. ISBN 3-216-30368-3. Mit "Zeitmäander" liegt erstmals ein repräsentativer Querschnitt von Alois Vogels lyrischem Schaffen vor. Der 1922 in Wien geborene Autor wurde nach seiner Schulzeit zur Wehrmacht eingezogen und begann aus dem Schock über die Erlebnisse dieser Kriegsjahre zu schreiben (Verlagsinformation). Wendelin Schmidt-Dengler würdigt in seinem Nachwort die sensiblen Naturschilderungen Vogels und seinen Mut zur Einfachheit, der an der leitmotivischen Gedichtzeile "Es ist Schnee gefallen" erläutert wird.
"Auch im Nebel/der Wälder/singen die Vögel/vom Leben/Im Rauschen/des
Regens/klingen von Blatt zu Blatt/Melodien des Lebens/Im Rufe der Unken/aus
dunklem Weiher/im Erdauswurf/des Maulwurfs/preist das Lebendige/immer das
Leben/Auch im Nebel/der Wälder/im Glanz der Netze/gesponnen von Baum zu
Baum/blickt dich der Gott an".
Der Mensch (zählt er nicht zu den "Lebendigen"?) stimmt in den Lobgesang
des Lebens nicht ein, er kommt nur als Beobachter (der Natur) und
Beobachteter (blickt dich der Gott an) vor. Diese ebenso sanfte wie
kraftlose Position des Menschen, der weder mitmacht (singt nicht) noch
eingreift (beobachtet nur), ganz an die Natur hingegeben, sich den
kleinsten Tieren widmet, dieses Menschenbild ist angesichts des Holocaust im besten Falle (verständliches) Wunschbild. Es erinnert an Waggerls kleine Blumen und die emphatische Naturliebe, die man in Texten der Kriegsgeneration immer wieder beobachten kann:
Anläßlich einer Umfrage zur Wehrmachts-Ausstellung "Vernichtungskrieg.
Verbrechen der Wehrmacht 1941 bis 1944" kam folgender Rat: "Zeigen sie
lieber eine positive Ausstellung über das Leben. Nächstenliebe, Tierliebe, Liebe zur Natur. Schöne Fotos, schöne Malereien."
Alois Vogels Lyrik handelt aber nicht nur von Naturbeobachtungen; der Autor bemüht sich um political correctness. Insofern ist die Lyrik Alois Vogels gerade da aufschlußreich wo sie verschweigt. Sie zeigt Denk- und Verdrängungsmuster, denen auch Menschen, die es gut meinen anheim fallen können, besonders wenn sie so jung wie Alois Vogel mit den Ereignissen konfrontiert wurden. Petra Rainer |
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