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| Reinhard Andress | |
| Der Inselgarten Das Exil deutschsprachiger Schriftsteller auf Mallorca, 1931-1936. Amsterdam: Rodopi, 2001. 196 S., NLG 85.-. ISBN 90-420-1465-2. Es gibt noch Neuland und Platz für Entdeckungen in der Exilforschung: dieses Buch ist der Beweis dafür. 1999 besuchten 3,5 Millionen deutsche Touristen die Insel, doch wer wußte vom dortigen deutschsprachigen literarischen Exil? Ziel der Untersuchung, schreibt der Verfasser, ist es "das Kapitel Mallorca in der Geschichte der deutschen Exilliteratur zu schreiben." (8) Und es gelingt ihm, mit unbekanntem Material: unveröffentlichten Briefen, Tagebüchern, Dokumenten aus Nachlässen, Grundlagenforschung im besten Sinne. Es geht um sieben verstorbene und einen noch lebenden Schriftsteller: Herbert Schlüter. Die anderen: Franz Blei, Karl Otten, Harry Graf Kessler, Martha Brill, Erich Arendt und Klaus Mann. Obwohl Klaus Mann nur sehr kurz in Mallorca blieb "ein Mosaiksteinchen im Muster der langen Exilzeit" (135) ging die Insel-Idylle stark in den "Vulkan" ein (138-141). Einige der anderen blieben bis zum Ausbruch des Spanischen Bürgerkrieges und ihre Aufenthalte gingen stark in ihre späteren Werke ein, so in Karl Ottens "Torquemadas Schatten" (92-101) und der von Hans Werner Richter als "Emigrantendeutsch" (19) abgetane bedeutende mallorquinische Roman "Die Insel des zweiten Gesichts" von Albert Vigoleis Thelen, in den fünfziger Jahren entstanden. Die Verfasser dieser Rezension hält Siegfried Lenz's Vergleich dieser Satire auf den Nationalsozialismus mit Cervantes für zutreffender (18). Im November 1933 nahm Harry Graf Kessler, der älteste der hier behandelten Autoren, mit 65 Jahren Wohnsitz in einem Vorort Palmas (35). Er war im März 1933 von einer Frankreich-Reise nicht nach Deutschland zurückgekehrt. Er blieb bis Ende Juni 1935 in Mallorca, sein Aufenthalt ist durch siebzehn Tagebucheintragungen und zahlreiche ausführliche Briefe dokumentiert (40).
Ein sehr wichtiges Kapitel betrifft den 1871 in Wien geborenen Franz Blei. Blei war von polnischer und schwedischer Herkunft und hatte außer in Wien in Paris, Zürich, den USA, München und Berlin gelebt. Sein bekanntestes Buch, "Das große Bestiarium der modernen Literatur" (1920) karikierte die großen europäischen Schriftsteller der Zeit (67). Aber wie Andress treffend ausführt, hatte Blei, ohne Jude zu sein, die Gefahr der nationalsozialistischen Rassentheorie besonders für die Juden sehr früh erkannt, und 1928 in der "Weltbühne" definiert (81). Seine Bücher wurden 1933 in Deutschland verboten. Da war er bereits in Mallorca, wo er sich im Fischerdorf Cala Ratjada an der Nordostküste niederließ (68). Hier konnte er, wie später Otten und Schlüter, sehr preisgünstig leben. Er litt zwar unter der Isolation, blieb trotzdem solange er konnte und floh mit dem gleichen britischen Kriegsschiff wie die Thelens (73). Bei allen behandelten Schriftstellern außer Kessler "schlugen sich die Exilerfahrungen auf der Insel auch nach der Zeit dort sehr direkt in ihrem literarischen Schaffen nieder" (172). Und in keiner anderen Region Spaniens lebten vor 1936 so viele deutschsprachige Exilschriftsteller wie in Mallorca. Andress ist es gelungen, das ungeschriebene Kapitel Mallorca in der deutschen Exilforschung und "damit auch einen wenig bedachten kulturhistorischen Aspekt Mallorcas anschaulich gemacht zu haben" (176).
Anmerkungen: Deborah Vietor-Engländer |
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