Drava Verlag
Paulitschgasse 5 - 7
A-9020 Klagenfurt
Tel.: 0043 / 463 / 50 10 99
Fax: 0043 / 463 / 50 10 99 - 20

E-Mail: office@drava.at
Internet: http://www.drava.at

Aus der peripheren Grenzlage im Süden Österreichs, aus seiner Entstehungsgeschichte als Verlag einer Sprachminderheit und aus der Verbundenheit mit dem südosteuropäischen Raum hat sich der Drava Verlag zu einem Grenzgänger zwischen den Kulturen und zu einem Anwalt kultureller Vielfalt entwickelt.

Der Beginn des Drava Verlages war ein einfaches Matrizengerät, das versteckt in einem Wald stand. Es war die Zeit des nationalsozialistischen Terrors. Gedruckt wurden verbotene Schriften in einer verbotenen Sprache: der slowenischen. Nach dem Krieg zeigte sich bald, daß ohne unabhängige Strukturen auch in einem demokratischen Staatswesen an ein eigenes Publikationswesen nicht zu denken war. 1953 erfolgte die Gründung des Verlages und der Druckerei, wenig später kam eine Buchhandlung in Klagenfurt/Celovec hinzu. Geblieben ist bis heute der geschärfte Blick auf jene, die - mit welchen Argumenten auch immer - die Überlegenheit einer Menschengruppe über ein andere predigen.

Daß österreichische Autorinnen und Autoren, die in Minderheitensprachen schreiben, nicht dem folkloristischen Bereich zuzurechnen sind, sondern daß es hier anspruchsvolle Literatur zu entdecken gilt, begann man in den achtziger Jahren wahrzunehmen. Wesentlichen Anteil daran hatte die 1981 von Peter Handke und Helga Mracnikar im Residenz Verlag vorgelegte Übersetzung des Romans Der Zögling Tjaz von Florjan Lipus. Helga Mracnikar, Kärntner Slowenin und promovierte Slawistin, leitet seit 1987 den Drava Verlag und vollzog die Weichenstellungen, die den Verlag zu dem gemacht haben, was er heute ist. Einer seiner Schwerpunkte bleibt slowenische Literatur aus Kärnten (in Originalausgaben und deutschen Übersetzungen), die über Österreich hinaus mit Namen wie Florjan Lipus, Gustav Janus, Maja Haderlap, Janko Messner oder Jani Oswald verbunden ist. Geöffnet hat sich der Verlag auch anderen Minderheitengruppen, zum Beispiel den Roma, und jenen, die "zwischen den Kulturen" stehen.

Ein besonderes Verdienst des Drava Verlages ist die Entdeckung des slowenischen Wegbereiters der Moderne - Ivan Cankar - für den deutschen Sprachraum. Die mittlerweile auf vier Bände angewachsene deutschsprachige Werkausgabe hat bewußt gemacht, daß der Blick auf die literarische Moderne der Donaumonarchie revisionsbedürftig ist. Was aber ist es, das Teile der Weltliteratur verschwinden läßt? Bloß die Barriere einer "kleinen Sprache" oder doch mehr: ein unsichtbarer Graben zwischen dem reichen Europa der Mitte und jenem ärmeren, außerhalb der Mauern? Jedenfalls hat es sich Drava zur Aufgabe gemacht, den literarischen Grenzverkehr zu beleben, und zwar in beide Richtungen: mit Übersetzungen aus dem Slowenischen ins Deutsche (Ivan Cankar, Prezihov Voranc, Ciril Kosmac, Muhidin Saric, Dragoslav Dedovic u. a.) und aus dem Deutschen ins Slowenische (Peter Handke, Peter Turrini, Erich Fried, Gerald Szyszkowitz, Bertolt Brecht u. a.).

Multiethnisch, bilingual, interkulturell - für Drava sind das keine Fremdwörter, es ist Teil einer gelebten Realität. Lange bevor das explosionsartige Aufbrechen ethnischer Konflikte in Ost- und Südosteuropa und die sprunghafte Zunahme rassistischer Ausschreitungen in Westeuropa diese Fragen in den Blickpunkt der Öffentlichkeit rückten, lieferte der "Fall Kärnten" Anschauungsmaterial für die Aufarbeitung der Frage, wie solche Konflikte entstehen, aber auch, wie sie vermieden werden könnten. In Zusammenarbeit mit einem Kreis von Wissenschaftern an der jungen Klagenfurter Universität hat Drava die Thematik des Zusammenlebens in multikulturellen Gesellschaften seit Anfang der achtziger Jahre in den Mittelpunkt des wissenschaftlichen Sachbuchprogramms gestellt. Zuletzt erschien hier 1998 unter anderem der Band Burenwurscht bleibt Burenwurscht. Sprachpolitik und Mehrsprachigkeit in Österreich von Rudolf de Cilla.

September 1998





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