Peter Handke droht mit Absage der Burg-Uraufführung seines neuen Stücks
Der österreichische Schriftsteller Peter Handke droht, die für 9. Juni am Wiener Burgtheater geplante Uraufführung seines Stücks "Die Fahrt im Einbaum oder Das Stück zum Film vom Krieg" (Regie: Claus Peymann) platzen zu lassen. Am Freitag (19. März 1999) forderte Handke in einer Aussendung Medienvertreter auf, das Stück und die Schauspieler in Ruhe zu lassen.

Handke im Wortlaut: "Journalisten, macht mit mir, wie es euch gefällt; schreibt oder sagt meinethalben sogar, daß P.H. sich 'die Birne weichgesoffen' hat - daß nur noch der Psychiater hilft - daß sein Stiefvater 'ein Trinker' war - daß seine Mutter eine Selbstmörderin war - daß seine dreißigjährige Tochter hinkt - daß seine achtjährige Tochter schielt (oder umgekehrt): aber laßt das Stück - laßt die im status nascendi befindliche Aufführung - laßt vor allem die Schauspieler in Frieden, ab sofort und bis nach der Premiere! Anders wird, von mir aus, 'Das Stück zum Film vom Krieg' auf der Bühne vorerst nicht stattfinden; das Publikum, das Zuschauervolk, für welches das Drama bestimmt und geschrieben ist, wird es, dank euch Medienlichtern, nicht sehen."

Hintergrund für Handkes Medienappell: Textauszüge aus seinem jüngsten Stück waren im österreichischen Wochenmagazin "Format" unter Mißachtung der Urheberrechte vorabgedruckt worden. Zudem war Handke wegen seiner am Rande der Kosovo-Verhandlungen im französischen Ramboulliet getätigten Äußerungen ("Mein Platz ist in Serbien, sollten die Nato-Verbrecher das Land bombardieren", hatte Handke Mitte Februar im serbischen Staatsfernsehen verkündet) in vielen Medien heftig angegriffen worden.

"Das Stück zum Film vom Krieg" soll unmittelbar nach der Wiener Uraufführung am Belgrader Nationaltheater herauskommen und wird somit die erste Aufführung außerhalb des deutschsprachigen Raums sein. In Serbien wird Handke wegen seines Einsatzes für Serbien hoch geschätzt, im Vorjahr wurde er mit einem serbischen Literaturpreis ausgezeichnet.





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