Leben in Spiralen: Friedensreich Hundertwasser
Der österreichische Maler und Architekt Friedensreich Hundertwasser starb am Samstag, den 19. Februar 2000 im Alter von 71 Jahren an Bord des Kreuzfahrtschiffes "Queen Elisabeth II" an einem Herzversagen. Er wird auf eigenen Wunsch in Neuseeland begraben, wo er seit langem lebte. Hundertwasser ist wohl einer der bekanntesten, aber auch einer der umstrittesten österreichischen Künstler.

Im 3. Wiener Gemeindebezrik steht eines seiner bekanntesten Gebäude, das kunterbunte Hundertwasserhaus. 1983 erbaut, ist es mit seinen Rundungen und Zwiebeltürmchen längst zu einer unverzichtbaren Touristenattraktion geworden. Eine "kunstgewerbliche Paraphrase auf Antonio Gaudis vegetabilen Jugendstil" urteilt die FAZ in ihrem Nachruf vom 22. Februar 2000. Gebäude von Hundertwasser haben immer wieder Anlaß zu Diskussionen gegeben. Bestes Beispiel: die Müllverbrennungsanlage Spittelau, für viele ein Beispiel von reiner "Oberflächenkunst" und "Behübschung". Während gerade heiß über die Dioxinemission diskutiert wurde, stülpte Friedensreich Hundertwasser dem Schlot der Müllverbrennungsanlage 1992 eine golgene Kugel über und siedelte Schafe am Dach an. Letztendlich hat die Gemeinde Wien aber doch bessere Filtersysteme eingebaut.

Manche von Hundertwassers biologischen Ansätzen scheiterten bereits an den Materialen. Als erbitterter Gegner des Betons ist er selbst nicht ohne Stahlbeton ausgekommen, und so manches in der Innenausstattung ist nicht konsequent umweltgerecht. Trotzdem darf man seine Vorreiterrolle in der Ökobewegung nicht zu gering erachten. Hundertwasser hat sich bereits Anfang der 70er Jahre für Dachbewaldung und individuelle Fassadengestaltung eingesetzt, in einer Zeit, als die Grünbewegung gerade erst im Entstehen war.

Hundertwasser wurde nicht müde, gegen die "gerade Linie", seiner Meinung nach das "Werkzeug des Teufels", anzukämpfen. An die Stelle der Linie setzte er die Spirale, die schon früh in seinen Zeichnung auftaucht und zu einem Markenzeichen wird.

Als Friedrich Stowasser wurde Friedensreich Hundertwasser 1928 in Wien geboren. Nach dem Zweiten Weltkrieg, den er mit seiner jüdischen Mutter unter sehr schwierigen Bedingungen überlebte, begann er 1948 ein Studium an der Akademie der Künst, das er jedoch bereits nach drei Monaten wieder abbrach. Er wurde Mitglied des Art Club Wien, er legte sich einen Künstlernamen zu und begann zu malen. 1959 erschien sein berühmtes "Verschimmelungsmanifest" gegen den Rationalismus in der Architektur. Es folgten zahlreiche Aktionen, die für Aufsehen sorgten, etwa 1967, als er in München eine "Nacktrede" hielt. Mitte der 90er Jahre sprach er sich vehement gegen den EU-Beitritt Österreichs aus.

1981, bei der Verleihung des großen Österreichischen Staatspreises, plädierte er für eine "Kultur ohne Kernkraft", vergriff sich aber auch etwas in den Worten, als er von einer "entarteten" zeitgenössischen Kunst und deren "Mafia" sprach. Zu dieser Zeit war Hundertwasser ohnehin bereits ein blendender Selbstvermarkter. Im Ausstellungsort "KunstHausWien" findet man im Shop alle möglichen und unmöglichen "Hundertwasser"-Artikel, von der Telefonwertkarte bis zum Poster, von der Briefmarke bis zum Puzzle.

Sein Kollege und Freund, der Maler Ernst Fuchs, schrieb in einem Nachruf auf Hundertwasser in orf.online: "Dies war in Kürze seine Weltanschauung: Zurück zu den Wurzeln - zum schöpferischen Wesen, von der Kindheit her."

Am Sonntag, den 27. Februar findet um 18 Uhr im Naturhistorischen Museum in Wien eine Gedenkfeier statt. Der ORF zeigt am 5. März um 23.15 Uhr das Porträt "Hundertwasser - Leben in Spiralen" von Ferry Radax.

Hundertwasserhaus Hundertwasserhaus





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