Joseph-Breitbach-Preis für Ilse Aichinger
Der in Koblenz geborene Schriftsteller Joseph Breitbach (1903-1980) schrieb sowohl in Deutsch als auch in Französisch. Neben seiner erfolgreichen Laufbahn als Warenhausmanager veröffentlichte er Erzählungen, Bühnenwerke und Romane. Seit Ende der zwanziger Jahre in Paris ansässig, gab Breitbach 1937 seinen deutschen Paß ab und lebte von da an staatenlos, bis er 1945 die französische Staatsbürgerschaft erhielt. Ab 1961 war sein Zweitwohnsitz München.
Die Joseph-Breitbach-Stiftung pflegt das Werk des Dichters und setzt auch sein Engagement als Mäzen fort. Kurz vor Weihnachten 1997 ließ die Mainzer Akademie der Wissenschaften und der Literatur bestätigen, daß ab dem nächsten Jahr erstmals eine in seiner Höhe bis dato nie dagewesene deutsche Literaturauszeichnung vergeben werden solle. Der Name des im September 1998 zu vergebenden Literaturpreises: Joseph-Breitbach-Preis.
Die bisher mit "nur" 12.000 DM dotierte Auszeichnung wurde damit durch eine rein private Förderung auf 250.000 DM (jetzt 255.000 DM) erhöht und ist etwa viermal so hoch wie der renommierteste deutsche Literaturpreis, der Büchner-Preis.
Der vormalige Joseph-Breitbach-Preis, vergeben vom rheinland-pfälzischen Kulturministerium und des Südwestfunks, wurde in den mit 12.000 DM dotierten Georg-K.-Glaser-Preis umbenannt und blieb somit erhalten.

Clemens Zintzen, der Mainzer Präsident der Akademie der Wissenschaften, die den Preis in Zusammenarbeit mit der in Vaduz (Liechtenstein) ansässigen Breitbach-Stiftung vergibt, will mit dieser Ehrung vor allem auch jüngere Literatur fördern.

Eigentlich sollte - nach dem Willen des Preisstifters - die Förderung einem einzigen Schriftsteller zugute kommen, doch man hat sich für eine Dreiteilung des Preises entschieden. Und so bekommen auch heuer die österreichische Schriftstellerin Ilse Aichinger, der in England lebende Literat und Literaturwissenschaftler W. G. Sebald sowie der Schweizer Romanautor Markus Werner jeweils 85.000 DM Preisgeld zugesprochen.

In bezug auf Ilse Aichinger meinte die Jury, daß das außerordentliche Werk der 1921 in Wien geborenen Schriftstellerin durch strenge, hellsichtige, unerhört konzentrierte, oft geisterhaft wirkende Arbeiten gekennzeichnet sei, die das Schweigen zugleich brechen und bewahren.

Bisherige Joseph-Breitbach-Preisträger:
Hans Boesch, Friedhelm Kemp, Brigitte Kronauer (1998)
Reinhard Jirgl, Wolf Lepenies, Rainer Malkowski (1999).





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