H. C. Artmann ist tot
Der Autor des schwärzesten Bestsellers deutscher Sprache, des Klassikers "med ana schwoazzn dintn", H. C. Artmann, ist am 4. Dezember 2000 im achtzigsten Lebensjahr an einem Herzschlag gestorben.

Seine Mundartdichtungen haben den Schriftsteller zu einem der populärsten Nachkriegskünstler des deutschsprachigen Raums gemacht. 1997 wurde er als vierter Österreicher mit dem renommierten Georg-Büchner-Preis der Deutschen Akademie für Sprache und Dichtung ausgezeichnet und zwar für seine Persönlichkeit, die "das Menschenrecht der Poesie" gefordert und gelebt habe.

Hans Carl Artmann wurde am 12. Juni 1921 als Sohn eines Schuhmachers geboren. Seine Sprachbegabung zeigte sich schon als Kind. Im Selbststudium brachte er sich u. a. Walisisch bei, eine Sprache, die selbst der Prince of Wales nicht beherrscht.
Mit Fünfzehn versuchte sich Artmann vergeblich als Detektivautor. Selbst sein stimmiges Genre-Pseudonym John Hamilton nützte ihm nichts.
1945, in amerikanischer Kriegsgefangenschaft, schrieb Artmann erste lyrische Texte, die nur in Ansätzen an seine spätere experimentelle, "surrealistische" Literatur erinnern und erst 1970 unter dem Titel "Das im Walde verlorene Totem" erschienen.
Artmanns unbändige Lust an der Sprache und am Sprachexperiment brachte ihn Anfang der fünfziger Jahre fast zwangsläufig mit Konrad Bayer, Oswald Wiener, Friedrich Achleitner und Gerhard Rühm in Berührung. Die Lesungen und Performances der fünf provokanten Künstler sorgten für empörte Aufregung und Erregung in der behäbigen, konservativen Literaturszene Nachkriegsösterreichs. Die "Wiener Gruppe" machte Furore. Da sich Artmann jedoch seit jeher gegen Gruppierungen wehrte, - löste er sich Anfang der sechziger Jahre wieder aus dem Wiener Kreis.
H. C. Artmann wandte seine Sprachkenntnisse Zeit seines Lebens als Übersetzer an. Es gibt von ihm Übertragungen aus dem Dänischen, Englischen, Französischen, Niederländischen, Schwedischen und Spanischen, wie auch kongeniale Nachdichtungen ins Wienerische , u. a. Alfred Jarrys "Ubu Roi" oder den Asterix-Comicband "Der Legionär" ("Da Legionäa").
1995 verdankte H. C. Artmann den Freiheitlichen Schlagzeilen, als sie dem Künstler im Zusammenhang mit nicht eindeutig formulierten Steuergesetzen und plötzlichen Nachzahlungsforderungen unterstellten, sein "Geld beim Branntweiner gelassen zu haben". Daraufhin bildete sich ein Prominenten-Komitee, das sich gegen die Demagogien verwehrte und zum 75. Geburtstag des Dichters ein rauschendes "Fest für H. C." ausrichtete.
Artmann setzte sich bis zuletzt für die Nachwuchsliteratur ein. Er engagierte sich für die Gründung des Salzburger Literaturhauses und leitete von Beginn an Schreibklassen in der "Schule für Dichtung".

Lesen Sie einen Nachruf der IG Autorinnen Autoren

Werke (Auswahl):

med ana schwoazzn dintn. 1958
hosn rosn baa. 1959
Dracula. Dracula. Ein transsylvanisches Abenteuer. 1966
verbarium. 1966
der handkolorierte menschenfresser. 1968
How much, Schatzi? 1971
Aus meiner Botanisiertrommel. 1975
Im Schatten der Burenwurst. 1983
gedichte von der wollust des dichtens in worte gefaßt. 1989
nebel und petunien. 1995
Eine Lektion in Poesie wird vorbereitet. 1998

Auszeichnungen (Auswahl):

1974 Großer Österreichischer Staatspreis des Bundesministeriums für Unterricht und Kunst für Literatur
1977 Würdigungspreis der Stadt Wien für Literatur
1981 Rauriser Bürgerpreis für Literatur
1987 Kunstpreis bildender Künstler aus Österreich und der BRD für einen hochgeschätzten und bewunderten Kollegen
1991 Österreichisches Ehrenzeichen für Wissenschaft und Kunst
1997 Georg-Büchner-Preis für Literatur der Deutschen Akademie für Sprache und Dichtung

Lesen Sie eine Kurzbiografie, eine Auflistung der Auszeichnungen und ein umfassendes Werkverzeichnis, zusammengestellt von der IG Autorinnen Autoren.

Die Schule für Dichtung hat auf ihrer Homepage eine umfangreiche H.C. Artmann Dokumentation angelegt, mit Texten, Kommentaren, Fotos und diversen Links.





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