Zum Tod von Franz Innerhofer
Franz Innerhofer wurde in seiner Grazer Wohnung tot aufgefunden. Nach Polizeiangaben dürfte der 58jährige bereits vor einigen Tagen Selbstmord begangen haben. Bekannt wurde Innerhofer in den 70er Jahren mit seiner Romantrilogie "Schöne Tage", "Schattseite" und "Die großen Wörter", autobiografisch geprägte Überlebensliteratur in der damals neuen realistischen Erzähltration, die verlogen idyllischen Heimatklischees den Spiegel der bedrückenden Wirklichkeit entgegen hält. In "Schöne Tage" - von Fritz Lehner 1985 fürs Fernsehen verfilmt - schafft es ein Bergbauernkind unter schwierigsten Verhältnissen (als "Leibeigener") sich seiner selbst bewußt zu werden. Es rettet sich in die Sprache aus einer Welt, die ganz archaisch Unmündigkeit zu zementieren versucht. Innerhofers Werk war, wie vergleichsweise das von Josef Winkler oder Gernot Wolfgruber, gespeist aus der traumatischen Erfahrung der selbst erlebten beengenden "Herrschaftsverhältnisse". Der Sprung in die Literatur ist Befreiungsschlag und ein Mittel, jene schrecklichen Geister der Vergangenheit noch einmal zu bannen und fast psychoanalytisch aufzuarbeiten. Literatur, bei der ein Tabubruch zur Befreiung wird: Man schreibt über eine Welt, in der die meisten keine eigene Sprache finden.

Zu Schreiben begann Innerhofer nach einer schweren Identitätskrise, die ihm sein Studium (Germanistik und Anglistik in Salzburg) abbrechen ließ. In den letzten Jahren ist es still geworden um Innerhofer, fast schien es, als ob ihm jene Themen ausgegangen wären, aus denen sich seine Literatur speist. Innerhofer, der sich für viele Jahre in die italienische "Emigration" zurückgezogen hatte und in den 80er Jahren eine Buchhandlung geführt hat, konnte nicht mehr an seine frühen Erfolge anschließen, Alkohol wurde mehr und mehr zum Problem. 1993 erschein sein letzter Roman "Um die Wette leben". 1999 versuchte er mit der Sozialstudie "Das rechte Murufer", das im Grazer Rotlichtmilieu angesiedelt ist, ein nur mäßig erfolgreiches Comeback. 1992 wurde sein Theaterstück "Schreibtruhe" im Grazer Schauspielhaus uraufgeführt, in dem eine österreichische Bäuerin, die in der Nähe des KZ Mauthausen gelebt hat, im Zentrum steht.

In memoriam Franz Innerhofer zeigt der ORF am Samstag, den 26. Jänner 2002 um 9.35 Uhr auf ORF2, die grandiose Verfilmung von "Schöne Tage" in der Regie von Fritz Lehner.





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