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| Der Vater von "Kottan" ist gestorben |
| Helmut Zenker, Erfinder des legendären "Inspektor gibt's kan"-Kottan, Autor und Mitbegründer der Literaturzeitschrift "wespennest", ist in der Nacht zum Dienstag verstorben. Am 11. Jänner wäre er 54 Jahre alt geworden. Sein letztes Buch "Mondgeschichten" wird, wie geplant, im Februar bei Deuticke erscheinen. Eine ausführliche Würdigung sowie Reaktionen u.a. von Kunststaatssekretär Morak finden Sie auf orf.online. Lesen Sie hier den Nachruf von Gerhard Ruiss von der IG Autorinnen Autoren:
Heute vormittag hat uns die Nachricht vom Tod Helmut Zenkers erreicht, dem Autor dutzender Bücher und Kino- und Fernsehfilme, Erfinder des "Kottan" und Gestalter der Comedy-Serie "Tohuwabohu". Seine bereits seit längerer Zeit bestehende schwere Erkrankung war uns nicht bekannt, so daß uns die Nachricht über seinen frühen Tod vollkommen überrascht hat. Es war durchaus üblich, von ihm länger nichts zu hören, wie es genauso üblich war, mit ihm in wieder einer neuen Rolle ständig und intensiv in Verbindung zu kommen. Wer immer mit Helmut Zenker zu tun bekam, hatte es mit einem stets initiativen Künstler und Zeitgenossen zu tun, der ebenso Autor wie Entwickler von Fernseh- und Filmstoffen war und genauso als Regisseur wie als Verleger in Erscheinung trat. Zwischendurch schrieb er Kinderbücher, verfaßte er Songtexte oder Höspiele und verwirklichte über viele Jahre hinweg das, was Fernsehsender zum Zeitpunkt der Sendung gerne als Erfolgsgeschichten ausweisen. Die Erfolgsgeschichten des "Kottan" und von "Tohuwabohu" haben allerdings den ORF nicht dazu veranlaßt, die Arbeit mit einem Pionier der Krimi-TV-Serien und Comedy-Shows im deutschen Sprachraum, als der Helmut Zenker zweifellos anzusehen ist, weiter fortzusetzen. Ungeachtet dessen senden andere deutschsprachigen Fernsehprogramme die alten Folgen der Serie "Tohuwabohu" bis heute weiter. Helmut Zenker galt als streitbar. Dafür haben wir ihn immer geschätzt. Er hat nie verdeckt, wofür und wogegen er eintrat. Er hat ein Werk mit deutlichen Spuren hinterlassen und mit der Figur des "Kottan" und den Folgen seiner Krimi-Serie "Kottan ermittelt" einen Kriminalfilmtypus geschaffen, der bis dahin im deutschsprachigen Krimi unbekannt war, mit dem er sich in einem sozialen Umfeld bewegte, statt auf Psychologisierungen und Phänomenalisierungen zu setzen. Lange vor seinem "Kottan", bereits Ende der 60er, Anfang der 70er Jahre, hat Helmut Zenker als Mitbegründer der Zeitschrift "Wespennest", als Mitinitiator der "Edition Literaturproduzenten" im Verlag Jugend & Volk, als Gründungsmitglied der Grazer Autorenversammlung und mit seinen bei Luchterhand erschienenen Romanen, "Wer hier die Fremden sind" und "Kassbach" deutlich auf die Existenz einer neuen österreichischen literarischen Handschrift und auf sich als einer deren wichtigsten Vertreter hingewiesen. Zudem ist Helmut Zenker einer der zentralen Exponenten der Blüte des neuen österreichischen Fernsehfilms gewesen und geblieben, der seit Jahren keine auch nur annähernd ähnlichen, gleichermaßen künstlerischen wie Publikums- und Verkaufs-Erfolge mehr aufzuweisen hat. Wer die für die abgebrochenen Entwicklungen in der Fernsehfilmkultur Verantwortlichen sind, läßt sich schon nach der kurzen Zeit der letzten für das österreichische Fernsehen produzierten Arbeiten von Helmut Zenker kaum noch sagen, an die Figuren und Drehbücher Helmut Zenkers werden Archive und Retrospektiven und die Filmgeschichte hingegen weiter erinnern. Seinen schriftstellerischen Leistungen konnte und kann ein kurzatmiges Medienmarketing ohnehin nie etwas anhaben.
Gerhard Ruiss |
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