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| Nachruf auf Heimrad Bäcker |
| Heimrad Bäcker, Mitbegründer der Grazer Autorenversammlung und Gründer der "edition neue texte", ist vorigen Donnerstag, einen Tag vor seinem achtundsiebzigsten Geburtstag, in Linz gestorben. Lesen Sie einen Nachruf von Gerhard Ruiss und Gerhard Kofler:
Wir trauern um Heimrad Bäcker Wir haben einen persönlichen Freund und einen der engagiertesten Verfechter und Vertreter der Interessen der Autor/inn/en und der Literatur verloren: Heimrad Bäcker, der Mitbegründer der Grazer Autorenversammlung, der Gründer der "edition neue texte", selbst konkreter Poet und ein großer Förderer der neuen Literatur, ist nicht mehr. Ohne den von Heimrad Bäcker Ende der 60er Jahre ins Leben gerufenen Verlag "edition neue texte" hätte die Neuere Poesie nicht jene Bedeutung erlangt, die sie in den Folgejahren hatte und bis heute hat. Große Namen der Literatur, die heute jedem geläufig sind, sind mit seiner Edition und mit ihm in Verbindung gestanden und haben manchmal vergessen gemacht, daß Heimrad Bäcker selbst zu diesen Namen zu zählen ist. Heimrad Bäcker war zu zurückhaltend und zu nobel, um diesen Rang für sich zu beanspruchen, er hatte ihn auf eine ganz selbstverständliche Art. In die Mediengesellschaft paßte Heimrad Bäcker nicht, und sie hat ihn auch nie interessiert. Sein Leben galt der Neuen Poesie. Er hat dadurch nicht nur "schwer vermittelbare" Werke der Öffentlichkeit zugänglich gemacht, sondern auch dafür gesorgt, daß die Sprache der Neuen Poesie verstanden werden konnte und daß ganze literarische Werke (wie das von Reinhard Priessnitz), welche ohne die verständige verlegerische Tätigkeit Heimrad Bäckers wohl kaum bekannt geworden wären, bis heute und durch die Weiterführung seiner Edition im Literaturverlag Droschl der Öffentlichkeit erhalten geblieben sind. Dem Vorurteil der angeblichen Sperrigkeit der Neuen Poesie wäre das Argument ihrer Eindringlichkeit entgegenzuhalten, das hat Heimrad Bäcker mit seiner "Nachschrift" selbst am besten bewiesen. Fast nebenbei hat er mit seiner eigenen literarischen Arbeit und mit seinem Engagement in der Grazer Autorenversammlung sowie als Verleger ebensoviel in gesellschafts- wie in interessenpolitischer Hinsicht geleistet. So war die "edition neue texte" der erste Verlag eines bis dahin in Österreich unbekannten Verlagstypus, der des Autoren- und Kleinverlags, aus dem das österreichische Verlagswesen in seiner heutigen Form hervorgegangen ist, und wir kennen kein eindringlicheres literarisches Werk über die Zeit des Nationalsozialismus als das Heimrad Bäckers. Wir hatten keine Zeit, um ihm unsere Wertschätzung in einer seiner Bedeutung angemessenen Weise auszudrücken. In einem gestrigen Telefonat vereinbarten wir noch seinen Auftritt anläßlich der 30-Jahr-Jubiläumsfeier der Grazer Autorenversammlung am 2. Juli im Literaturhaus in Wien, ohne daß wir daran denken konnten, daß dieses Telefonat mit Heimrad Bäcker unser letztes Gespräch sein würde. Heimrad Bäcker hat uns sein Lebenswerk als literarisches Vermächtnis "geordnet" hinterlassen, es wird nicht verloren gehen. In tiefer Trauer um einen so geduldigen Freund alles und aller Schwierigen, wie es nur ganz wenige gibt, und einen Kenner der Neuen Poesie wie keinen zweiten,
Gerhard Ruiss, Gerhard Kofler |
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