Werner Herbst ist tot
Das große, weite Herz unseres Freundes und Kollegen, des Autors, Buchliebhabers, Pädagogen und Verlegers Werner Herbst hat aufgehört zu schlagen. In großer Trauer nehmen wir von ihm Abschied. Sein feines Sensorium für das Besondere, ob in der Auswahl der Bücher und Autoren, die er in seiner herbstpresse und auf seinen Einblattdrucken veröffentlichte, für Papiersorten, Schrifttypen oder Druckverfahren, mit denen er seine Publikationen ausstattete, oder in der Themenwahl und Ausführung seiner eigenen Texte, machten ihn schon früh zu einer Einzelerscheinung im literarischen Leben Österreichs. Er agierte mitten im Zentrum und an der Peripherie zugleich. Sein Wohnsitz war Wien, sein Lebensort Meidling. Mit welcher Liebe zum Detail er seiner Arbeit nachging, davon konnten sich seit vielen Jahren die Besucher der Frankfurter Buchmesse anhand seiner eigenen Veröffentlichungen und der seiner Kollegen in seinem Verlag überzeugen. Werner Herbst hat das Medium Buch & Buchdruck von allem Anfang an nicht genügt.

Er hat genauso Schachteln wie Geschirrtücher und vor allem auch das Bild als literarische Transportmöglichkeiten genützt. Legendär wurden und waren seine Wohlklanglieder beziehungsweise seine Gruppenarbeiten unter den Gruppennamen "Wohlklang", "Neuer Wohlklang" oder "Die Herren". Mit den "Herren" (Herbst, Jaschke, Ruiss, Vyoral) führten ihn Tourneen bis nach Deutschland und in die Schweiz. In der Schweiz, wo er regelmäßig jugendlichen und erwachsenen Analphabeten Literaturunterricht gab, arbeitete er auch als Pädagoge. Dorthin haben ihn auch erst jüngst seine beiden Lieblingsbeschäftigungen geführt, Bücher auszustellen und mit Texten zu arbeiten.

Bei der Luzerner Buchwoche hat er wie so oft in seinem Leben, nur diesmal eben zum letztenmal, die Produktion seiner herbstpresse, von Freibord und der edition fundamental - und damit auch der beiden Verlage gezeigt, in denen er mit zahlreichen Publikationen selbst vertreten ist. Wir sind durch sein Leben um zahlreiche Druck- und Buchbesonderheiten reicher geworden, wir haben durch seinen Tod den unersetzlichen Verlust seiner Freundschaft und seiner Bemühungen um die Literatur, insbesondere um die sowohl formal als auch inhaltlich experimentierfreudige Lyrik, erlitten.

Gerhard Ruiss, IG Autorinnen Autoren
Wien, 19.3.2008

Werner Herbst

Mitgliedschaften

Grazer Autorenversammlung, IG Autorinnen Autoren, Podium - Literaturkreis Schloß Neulengbach

Preise, Auszeichnungen

Buchprämie (des Bundes) 1989, 1995, 2001

Staatsstipendium für Literatur (des Bundes) 1975, 1981, 2000

V.O. Stomps-Preis für eine kleinverlegerische Leistung 1993

Förderungspreis der Stadt Wien für Literatur 1988

Theodor-Körner-Förderungspreis für Literatur 1983

Bücher

knickerbocker im kakao. (Mit Gerhard Jaschke) Freibord, Wien, 2004

Der Popanz. Poem. edition fundamental, Köln, 2003

hurra hurra hurra. Freibord, Wien, 2003

Werner Herbst. Ausgewählte Texte. Podium, Wien, 2002

hin und her. ein stadt-land-fluchtspiel. Literaturedition NÖ, St. Pölten, 2001

schöne stunden. ein literarisches duettduell. herbstpresse (Mit Gerhard Jaschke), Wien, 2001

Drei Faltblätter. (Mit Gerhard Jaschke und Günter Vallaster) herbstpresse, Wien, 2000

m über o. ein visuell-konkreter Text aus dem Jahre 1970. herbstpresse, Wien, 2000

ganz ohne kunst. und doch sehr schön. stempel zum tag. Thurnhof, Horn, 1999

Vom Häkchen zum Haken. Literarische Duettduelle 1988 - 1998 (Mit Gerhard Jaschke). Freibord, Wien, 1999

Albert Ehrenstein Albert Ehrenstein - Eine Collage. (Mit Gerhard Jaschke) Universität- Gesamthochschule Siegen, Siegen, 1996

alfabet. Blattwerk, Linz, 1995

eine gute wiener familie. Prosa. Fischbachpresse, Texing, 1993

Zwischendort. edition fundamental, Köln, 1991

das (apfel)mus (bist) du's?. Ausgewählte Gedichte. edition fundamental, Köln, 1989

Drucksachen. edition neue texte, Linz,

Erste Wahl. Arbeiten aus den Jahren 1969-1989. Österreichischer Kunst- und Kulturverlag, Wien, 1989

Werner geht in die Schule. Edition Mohs, Wien, 1989

Acht Gedichte. zu den Zeichen der Stille und den Zeichen der Fülle des Malers Johann Kienesberger. herbstpresse, Wien, 1988

Ernst Friedrich Zeichnungen. Werner Herbst Gedicht. Galerie Stadler, Paris, 1984

Zwischendort. Freibord, Wien, 1982

zur eisernen Zeit. lieder und gedichte vom naschmarkt mit einem vorspann von gerhard jaschke und bildern von heidi heide. Freibord, Wien, 1980

Hörspiele

Feierabend. Monolog in einem Akt. ORF Wien, 1981

Tonträger

stefan liest zwischendort. idee: helmut emersberger, thomas hojsa. realisation: michael tomas. gestaltung: andrea casalini. stefan=computerstimme. herbstpresse, Wien, 2001

Ich hänge an einem dünnen Faden. [Aufzeichnung einer Veranstaltung in der Stiftung Märtplatz, Rorbas] (Mit Gerhard Jaschke und Thomas Hojsa), 1993

es ist, um den verstand zu verlieren. Ein literarisches Duett-Duell. (Mit Gerhard Jaschke) herbstpresse, Wien, 1989

Vom Häkchen zum Haken. Ein literarisches Duett-Duell (Mit Gerhard Jaschke). herbstpresse, Wien, 1988

Gruppe Wohlklang. (Mit Björn Gaertner und Geri Wulz) herbstpresse, Wien, 1987

Stücke

Nein, diese Aussicht! Wiener Festwochen, Wien, 1990

Vom Häkchen zum Haken / Wir sind jung, die Welt ist offen. Zwei Hörstücke (Mit Gerhard Jaschke), Wien, 1988

Über Ehrenstein. Szenische Bearbeitung (Mit Gerhard Jaschke). Wiener Festwochen, Wien





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