Resignation des Bestseller-Autors Robert Schneider -
Eine Chronik der Geschehnisse

Von Karin Fleisch und Claudia Holly

"Seit dem Auftreten des Schriftstellers Robert Schneider in Vorarlberg bewirft mich die hiesige Kulturberichterstattung in konsequenter Weise mit einem Schmutz, der nicht mein Schmutz ist. Die Beleidigungen und Denuntiationen tun mir weh, auch wenn ich die ganze Zeit über geschwiegen habe - drei Jahre lang. Das, was es offensichtlich zu erreichen gab, ist nun erreicht: Ich habe den Mut verloren. Ich werde in Vorarlberg nicht mehr aus meinen Büchern lesen."
Dieses Zitat stammt aus jenem offenen Brief, den Robert Schneider im April den Vorarlberger Medien zukommen ließ und der unter anderem in der "Neuen Vorarlberger Tageszeitung" am 22. April 1997 abgedruckt wurde. Damit reagiert er auf die seiner Meinung nach unsachliche Berichterstattung im Ländle und findet in der Folge Unterstützung bei anderen Vorarlberger Autoren: "Der Standard" berichtet am 3. Mai vom Austritt Monika Helfers und Michael Köhlmeiers aus dem Vorarlberger Autorenverband, der in den Vorarlberger Nachrichten in Form einer Stellungnahme zu lesen war:
"Wenn es noch eines Grundes bedurfte, aus dem Vorarlberger Schriftstellerverband auszutreten, dann haben wir hier einen. [...] Wir sind empört über unsere Kollegen, die über die Anwürfe gegen Robert Schneider schweigen. Wir solidarisieren uns mit ihm.[...]
Robert Schneiders Entschluß, in Vorarlberg nicht mehr zu lesen, bedauern wir, aber verstehen können wir ihn."
Bereits am 26. April ist in den "Vorarlberger Nachrichten" ein Kommentar des Vorarlberger Autorenverbandes zu lesen. Franz Paul Hammling (in Vertretung des Vorstands) bemüht sich, die Sachlage zu relativieren und in ihrer Brisanz zu entschärfen:
"Die hier in Gang gekommene Diskussion ist prinzipiell nur zu begrüßen. Was im Zusammenhang mit Schriftstellern passiert, ist wie ein Lackmus-Papier: In die Gesellschaft getaucht, gibt es Auskunft über den Zustand der Gesellschaft [...]. Nun sind natürlich auch die Schriftsteller selbst Teil - und kein unwesentlicher - dieses "Gesellschaftsgesprächs" [...]. Nur, hier drängt sich der Eindruck auf, das dieses Gespräch von zwei Faktoren dominiert wird:
1. Es verläuft weitgehend humorfrei.
2. Es ist geprägt von einer alles überwölbenden, durch und durch materialistisch verdinglichten Denkfigur."
Nicht nur Helfer und Köhlmeier, auch andere Repräsentanten des Vorarlberger Kulturlebens gaben dem Autor Schützenhilfe, wie etwa Dr. Philipp Schöbi - stellvertretend für die Literaturgruppe des Theaters am Saumarkt in Feldkirch. Er bezieht sich in einem Leserbrief an die "Vorarlberger Nachrichten" insbesondere auf den Umstand, daß Robert Schneiders Geschäftstüchtigkeit in den Medien getadelt werde:
"Wenn einer ein rundes Leder
trickreich über grünen Rasen befördert,
so darf dessen Engagement Millionen kosten
und unerschöpflich viele Zeitungsseiten füllen.
Aber wenn da einer kommt und ein Buch schreibt,
das Millionen von Menschen vergnügt und beglückt,
dann soll er sich gefälligst in Demut zurückziehen
und ein noch besseres Buch schreiben.
Wie wenn ein Weitsprungweltrekord nur dann gültig wäre,
wenn man ihn selber nochmals übertreffen kann."
Zwar gönnt der Filmemacher Rainer Juriatti Robert Schneider seinen großartigen Erfolg, dennoch kritisiert er die narzißtische Haltung des Autors ("Vorarlberger Nachrichten", 26. 4.):
"Erlauben Sie mir [...],
Ihnen ebenso unmißverständlich mitzuteilen,
daß Sie mit Ihrer Vorgehensweise,
nämlich der traurigen und verbitterten Äußerung,
nicht mehr in Vorarlberg aus Ihren Büchern zu lesen,
lediglich Ihr Publikum bestrafen. [...]
Ich bitte Sie, schreiben Sie, verhandeln Sie,
haben Sie Erfolg, genießen Sie den Verlust der Armut,
denken Sie an Ihre Kollegen und vor allem - lesen Sie,
für Ihr Publikum, nicht für Ihr Image,
nicht für die Presse,
denn wenn Sie alles nur für sich selbst tun -
wofür tun Sie es dann?"
Wolfgang Burtscher, Intendant des Landesstudios Vorarlberg, lud Schneider zu einer Live-Rundfunkdiskussion mit seinen Widersachern ein, der Autor lehnte ab.

Ein weiterer Vertreter der Vorarlberger Medienlandschaft, der langjährige Literaturchef beim ORF Vorarlberg, Leo Haffner, äußerte sich zur Causa Schneider in den Vorarlberger Nachrichten folgendermaßen:

"Mit diesem Verdikt des Dichters,
der Neid sei die Wurzel seines Übels,
hat er eine neue Kategorie in die Sparte 'Literaturkritik'
eingeführt und zur Anwendung empfohlen:
Das schlechte Gewissen des Kritikers
gegenüber dem sensiblen Poeten.
Der Leser weiß jetzt: Wer den Beifall
für Schneider verweigert, ist ein schlechter Kerl."
Apropos Literaturkritik: In einem Grundsatzurteil zur Freiheit der Kunstkritik beschloß der Oberste Gerichtshof 1996 mit dem Argument, die "Kunstkritik ist [...] in aller Regel nicht Kunst", daß sich die Kritiker "grundsätzlich auch scharfer und 'übersteigerter' Ausdrücke, polemischer und überspitzter Kritik bedienen" dürfen. Es ist lediglich untersagt, den Künstler zu beschimpfen oder in der Wertschätzung des Publikums "unnötig herabzusetzen" (Die Presse, 25.3.1996).

Als ein Beispiel dafür, daß nicht nur Kulturberichterstatter Robert Schneiders (außer-)literarische Fähigkeiten kritisieren, soll hier Werner Koflers jüngstes Werk "Üble Nachrede - Furcht und Unruhe" und die darin enthaltenen "Schmähungen" seines Kollegen, zitiert werden.





Schwarz/Weiss
Weiße Schrift auf weißem Grund beim Ausdrucken? Klicken Sie hier ---^