[...] das Robert-Musil-Stipendium ist nicht mir, sondern, vielleicht, weil ich nicht Robert heiße, er aber schon,
dem Robert Schneider zuerkannt worden - ich schreibe den Namen ohne Mühe, kein Haß, kein Neid, Neid
worum denn -, Robert Schneider aus Vorarlberg [...]
An meiner Stelle schreibt jetzt Robert Schneider und wie er schreibt! Gut, er ist ausgebildeter Schreibergeselle,
er hat eine Schreiberlehre erfolgreich abgeschlossen, er versteht sich auf die Sargtischlerei. Wie er schreibt?
Nun, er spricht vor sich hin die Namen Robert Musil, Robert Schneider, und schon schreibt er, schon geht es
dahin, die Namen Musil Robert, Schneider Robert vor sich hingesagt, schon schreibt er, schreibt und schreibt,
zwischendurch trinkt er Milch und ißt Schokolade, und schreibt, schreibt dahin, trinkt einen Schluck Milch und
schreibt, nimmt ein Stück Schokolade und schreibt, sagt: Robert Musil, sagt: Robert Schneider, und Patsch!
steht alles geschrieben da; ein Schluck Milch, ein Stück Schokolade, und noch eines, und Patsch! erledigt sich
alles wie von selbst. Wie der schreibt! Der kann aber schreiben, so schreiben können möchte wohl ein jeder
gern! Robert Musil, Robert Schneider, ein Schluck Milch, ein Stück Schokolade (und noch eines), schon
schreibt er, nichts kann ihn aufhalten; einmal nur hat er vergessen, die Namen Schneider Robert, Musil Robert
vor sich hin zu sprechen, und nichts ist ihm von der Hand gegangen ... Ansonsten aber, und seither, schreibt er,
schreibt und schreibt, dieser Robert, jener, ein Robert ist so gut wie der andere, Schneider, Musil, Milch,
Schokolade, Patsch! schon schreibt er, schreibt, wie wenn das Schreiben nimmer aufhören wollte. Lüüt, lüüt!
Mann, der schreibt aber. Wie der schreibt! Wie es nur schreibt, das Bübl, daß einer so schreiben kann!
Gewaltig! Lüüt, lüüt! Schreibt und schreibt, schreibt dahin. Da, er schreibt schon wieder. Meine Güte, was für
ein Schreiber! Er wird sich noch den Tod holen vom vielen Schreiben, von der vielen
Musil-Stipendiums-Schreiberei, in seiner zugigen Werkstatt, ja, er wird sich sicher den Tod holen, wenn er so
weiterschreibt, da hilft keine Milch, keine Schokolade; wenn er so weiterschreibt wird er nicht einmal das
Musil-Stipendium überleben, und Arnold Schwarzenegger, Eliette von Karajan und Joseph Vilsmaier werden, in
der dafür viel zu kleinen Gemeinde Eschbach, den Trauerzug anführen. (S. 36ff.)
(c) 1997 Rowohlt, Reinbek bei Hamburg |